mondfeuer

Stinkbomben, 3er-Schachtel

DER Scherzartikelklassiker schlechthin. Vielen Leuten ist der schweflig-furzige Gestank der Stinkbomben wohl noch in Erinnerung, sie gehörten jahrzehntelang zum Standardarsenal kleiner und großer Bastarde, die ihre Mitmenschen mit lieblichen Düften zu ärgern versuchten. Meine bevorzugte Methode war es, eine ganze Schachtel unter den Schuh zu legen, sie irgendwann zu zertreten und dann langsam vom Tatort wegzugehen, um den Spaß aus der Ferne zu betrachten. Etliche Budenbesitzer in unserer Stadt mußten unter diesen Attacken leiden, der Gestank verflog aber zum Glück immer recht schnell. An den Schulen hagelte es meist Strafe oder gar Verweise, wenn es ein Schüler wagte, eine Stinkbombe zu werfen - natürlich nur, wenn er doof genug war, sich erwischen zu lassen. Heute ist diese Gefahr gebannt, Stinkbomben gibt es hier nicht mehr zu kaufen, weswegen Interessierte auf Angebote aus dem Ausland, in diesem Fall aus England, zurückgreifen müssen. Mein Vater löste mal durch einen beherzten Stinkbombenwurf eine mittlere Auseinandersetzung zwischen zwei Parteien eines Hotels aus. Als wir 1980 in Spanien Urlaub machten, wohnten wir in einem Privathaus, das an eine große Hotelanlage grenzte. Einige der Hotelbewohner machten oft bis in die Puppen Remmidemmi, was meinen gestreßten Paps dazu veranlaßte, eine von mir mitgebrachte Stinkbombe gezielt auf die Terasse der Lärmbrüder zu werfen, um sie zu veranlassen, die Terassentür zu schließen. Statt jedoch meinen Vater diesen Gefallen zu tun, verdächtigten die Stinkbombenopfer die Bewohner des darüberliegenden Hotelzimmers, die Bombe geworfen zu haben, und prompt brach eine lautstarke Streiterei los, die erst eine Stunde später durch vereinten Einsatz von Mitarbeitern des Hotels unter Kontrolle gebracht werden konnte. Mit der Nachtruhe war es indes vorbei, mein Vater hat danach nie wieder Stinkbomben als Ruhestifter eingesetzt... Die hier gezeigten Stinkbomben werden in England hergestellt von Smiffy's, Gainsborough, DN21 IFJ, im Web zu erreichen unter www.smiffys.com.

Stinkbomben, 3er-Schachtel
mondfeuer, 7. Juni 2008
    • Bewertung:
      5/5,
      Herr der Knaller
      Schöne Dinger ^^

      und lustige Story ;)
    • Bewertung:
      5/5,
      D-Böller81
      Kenne die Teile die sind sehr gut, hatte ich mir mal bei ebay gekauft. Machen sich auch ganz gut in Bus und Bahn :)
    • Bewertung:
      5/5,
      Knaller!
      @D-Böller81: Nee, alles was recht ist, in Bus und Bahn gehören die Dinger nun wirklich nicht.
      PS: Sicher, dass es die Dinger hier nicht mehr gibt? Wenn ja warum? Bei einer bekannten Plattform habe ich mal hunderterpacks in, ich glaube einem Laden, gesehen.
    • mondfeuer
      Ich habe in der Vergangenheit zweimal versucht, Stinkbomben über div. Großhändler zu bestellen, dort wurde mir aber gesagt, daß das Produkt "einvernehmlich" vom Markt genommen wurde. Keine Ahnung, ob das wirklich stimmt bzw. da möglicherweise geänderte Verordnungen dahinterstecken. Möglich ist auch, daß die einstigen Hersteller (z. B. Weco) die Produktion ganz einfach wg. mangelnder Nachfrage eingestellt haben.

      Tatsache ist, daß ich seit etlichen Jahren keine Stinkbomben mehr im normalen Verkauf gesehen habe. Angesichts dereuropäischen Regelwut würde es mich nicht sehr überraschen, wenn es da wieder div. Normen oder neue Gesetze gäbe, die z. B. Sulfid-Verbindungen in für Kinder erreichbaren/käuflich erwerbbaren Artikeln verbieten.
    • Bewertung:
      5/5,
      sureshot
      Schönes Bild, hast Du eine neue Cam?

      Die Dinger haben zwar mit Feuerwerk nichts zu tun, wecken aber dennoch so manche lustige oder teilweise auch weniger spaßige Erinnerung.

      Ich kann mich daran erinnern, in meiner Grundschulzeit auch mal Tränengasbomben gesehen zu haben. Einer meiner Klassenkameraden hatte ein solches Päckchen, es war weiß mit einem Krokodil drauf, das eine Träne vergießt. Die Flüssigkeit in den Ampullen war klar wie Wasser und nicht gelb wie die in den Stinkbomben.
    • Bewertung:
      5/5,
      Pyro-Dan
      Ein wirklich tolles Bild von einem echten Klassiker!

      Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich als Grundschüler mal eine Stinkbombe in der Aula habe hochgehen lassen. Und wie von Mondfeuer beschrieben, habe ich mir das lustige "Ergebnis" dann genüsslich aus der Ferne angesehen. Erwischt hat mich keiner. Ich war wohl auch ein echter Lausebengel damals... :):)

      Gruß
      Pyro-Dan
    • mondfeuer
      sureshot,

      die Kamera ist eine Canon Ixus 400, die ich mir für ein paar Schnappschüsse ausgeliehen hab. Ich habe für das Bild eine Packpapier-"Leinwand" aufgebaut und die Aufnahme mit Tageslicht ohne Blitz gemacht, das funktioniert ganz gut. Die Kamera läßt sich ganz gut bedienen, ist für meinen Geschmack aber schon fast zu klein, ich hab Schwierigkeiten damit, das Teil ruhigzuhalten.

      Die Weco Tränengasbomben hatte ich auch mal, 10 Schachteln a 3 Stk. im Pappschuber, den ich für ca. 5-8 DM (kann mich nicht mehr genau an den Preis erinnern) in einem Schreibwarenladen kaufte. Der Inhalt bestand aus einem mit Alkohol "flüchtig" gemachten Zwiebelsaftkonzentrat, funktioniert haben die Dinger aber nicht wirklich, außer, man hielt den Kopf direkt über eine zertretende Ampulle. Die Dinger haben auch ziemlich üble Flecken verursacht, da das Zeug in Zusammenhang mit dem Sauerstoff der Luft nachdunkelte und nur schwer aus bestimmten Stoffen zu entfernen war. Ich habe diese Tränengas-Teile auch nur eine Saison lang im Laden gesehen, danach verschwand sie auf Nimmerwiedersehen. Die wären heute wohl ein richtig tolles Sammlerstück.

      Pyro-Dan,

      tja, das 11. Gebot war für unsereins damals hat wichtig: "Du sollst Dich nicht lassen erwischen!"! :D
    • Bewertung:
      5/5,
      FFpetarde
      Ein echter Klassiker, die alten Stinkbomben. Die Teile waren in der Schule auch oft zu riechen gewesen, das gab da im wahrsten Sinne des Wortes einen Riesenstunk.
      An die "Tränengasbomben" kann ich mich auch noch dunkel erinnern, auch daß sie nicht so wirkten wie der Name versprach, war vielleicht auch gut so.
      Es gab übrigens von Weco bis Ende der 90er auch noch sogenannte "Duftbomben" mit einer stilisierten Rose drauf, die kenne ich aber vom "Duft" her nicht. Werden wohl so parfummäßig gewirkt haben.
    • mondfeuer
      Ähnliche Duftbomben habe ich mal bei einem Scherzartikel- und Kostümshop ( www.racheshop.de ) gesehen, das waren kleine kissenförmige, verschweißte Plastiktütchen mit Duftstoffen, etwas Natron und einer Plastikampulle mit flüssiger Weinsäure. Wenn man die Ampulle durchbrach, reagierte die Weinsäure mit dem Natron unter Produktion von CO2, was die Plastiktüte sprengte und den Duft freisetzte.

      Außerdem gab es in den frühen 80ern auch kurzzeitig Knallkissen ohne Duft, die nach dem selben Prinzip funktionierten. Der Knall entsprach etwa einem lauten Händeklatschen.
    • unkrautEx
      Ich trauere den Dingern nicht nach. Mal abgesehen von den fiesen Glassplittern (Barfußläufer, Hundeviecher) hatte ich nur Ärger damit.
      Als frischgebackenes Schulkind versuchte ich so ein Teil in einem Knetekissen geschützt in die "Hupe" (zentraler Deckel im Lenkrad) meines - damals noch im Kinderzimmer stehenden niegelnagelneuen Kettcars - einzupacken: damit nichts passieren kann. :joh:
      Schön eingepackt, Plastikdeckel draufgeschnappt. BääÄHhh ! :shocked:
      Vadder: Hast Du was gemacht ? :dontthinkso:
      Nööööö . :angel:
      Dann schnüffelte der bestimmt 'ne halbe Stunde alle Syphons im Haus ab, während sich seine Laune beständig verschlechterte. :Uups:
      Der Kettcar (pfälz. : m) dürfte sofort raus; ich lange nicht. :rolleyes:
      2te Aktion: Kaugummiautomat. Verpetzt vom Spielkameraden, den meine Eltern rhetorisch manipulierten. :angryfire:
      Ein fachkundiger Bekannter versorgte meine Erziehungsberechtigten mit der Information, dass H2S ein starkes Nervengift sei. :p ICH mußte den Automaten mit Warnschild versehen, den Betreiber des Automaten selbst anrufen und bereit sein, den Schaden mit meinem Taschengeld zu ersetzen.
      Ich glaube, ich dürfte wieder nicht raus; dem Automatenaufsteller war's wurscht.
      Danach habe ich mich nicht mehr erwischen lassen. :)
      In der Schule kamen die Dinger mit Tesa unter Stuhlbeine; der einzige Stuhl, von dem man annehmen konnte, dass er bis zu Unterrichtsbeginn halbwegs still stand, war der einzelne ganz vorn :blintzel:
      Die Kettenmechanik der Schiebetafel funktionierte ebenfalls zu Gunsten eines deutlich wirkungsvolleren Timings, auch wenn die Befestigung anspruchsvoller war.
      Zumindest lernte man, unschuldig zu gucken. :nuts:
      Einmal wurde ich zu Unrecht beschuldigt ;) : jemand hatte so ein Ding unter den Teppich der vorderen Einstiegstreppe des Schulbusses gelegt und ich sollte sie zertreten haben.
      Pfft - hätte man dafür gesorgt, dass genug Platz im Bus gewesen wäre, hätten die Schüler da nicht sitzen müssen und die Gelegenheit zum gemütlichen Verstecken gehabt - nur war der Fahrer zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich an einer Grundsatzdiskussion über Schülerbeförderungsbedingungen interessiert. :p
    • mondfeuer
      Hehe, selten so viele Emoticons in einem Beitrag gesehen!

      Prima Geschichten, da werden Kindheitserinnerungen geweckt! Ich hatte übrigens auch ein Kettler Kettcar, in grün mit schwarzem Kunstledersitz mit Rallystreifen und Leerlauf-Gangschaltung, war ein geniales Teil. Den Hohlraum unter der "Hupen"-Abdeckkappe habe ich auch oft zum Transport kleiner Geheimnisse verwendet, auf die Idee, eine Stinkbombe reinzustecken, bin ich allerdings nicht gekommen - zum Glück, wie man sieht! :)

      Ja nee, natürlich sind Stinkbomben schon irgendwie ekelhaft, aber eben manchmal auch ekelhaft witzig.

      Völlig unwitzig allerdings sind diese ständigen Verbote und neuen Regelungen, ich ertrags einfach nicht mehr. Seit Mitte der 90er erkenne ich mein einges Land nicht mehr wieder.
    • Matchbox
      Ja, ich denke die meisten von uns haben Erinnerungen an diese Ampullen. In Anbetracht der Tatsache, daß der freiwerdende Schwefelwasserstoff was die Giftigkeit angeht mit Blausäure vergleichbar ist, finde ich es aber in Ordnung, daß diese 'Giftbomben' hierzulande (wie auch in Österreich) nicht mehr in Kinderhände/Lungen gelangen können.

      In dem Zusammenhang wäre natürlich interessant, wieviele Ampullen es braucht, um in einem durchschnittlichen geschlossenen Raum eine LD50 Konzentration zu erreichen...
    • mondfeuer
      Wenn man davon ausgeht, daß in einer normalen Stinkbombe ca. 2 ml niederprozentige Sulfatlösung enthalten ist, von der nach dem Zerbrechen der Ampulle ca. 10% gasförmig umgesetzt werden, läge man grob geschätzt bei 20 oder 30 gleichzeitig zerbrochenen Ampullen in einem Raum mit 100qm und 2m Höhe etwa in dem Bereich, den man auch in Heilbädern mit Schwefelquellen vorfindet, wo H2S als Heilmittel für Hautkrankheiten eingesetzt wird...

      Hey, so gesehen hatten die Stinkbombenattacken meiner Kindheit ja fast schon einen therapeutischen Ansatz! :D;)
    • ivhp
      Na, dann fassen wir das ganze doch mal in ein paar definierte Zahlen ;)

      Also, die Stinkbombe enthält ein Sulfid (nicht Sulfat), beispielsweise Ammoniumsulfid, welches bei Luftkontakt H2S abspaltet, oder Natriumsulfid, wobei gleichzeitig eine schwache Säure anwesend sein muss. Beide Varianten sind/waren als Stinkbomben erhältlich.

      Die Menge von einer üblichen Stinkbombe freigesetztes H2S bewegen sich um 20-30 mg H2S. Da H2S gerade in schwach saurer Lösung gut "ausgast", muss davon ausgegangen werden, dass diese Menge auch an die Luft abgegeben wird.

      Die Grenzwerte für H2S sind:

      0,002 - 0,012 mg/m³ Geruchsgrenze (die Angaben schwanken und dürften für jeden anders liegen, der höhere Wert ist aus vertrauenswürdiger Quelle (Holleman/Wiberg)
      0,015 mg /m³ (MIK = Maximale Immissions-Konzentration, die Konzentration bei der bei dauerhafter Exposition keine Schäden an Mensch und Umwelt zu erwarten sind)
      15 mg/m³ MAK (MAK=Maximale Arbeitsplatz Konzentration, die Konzentration bei der bei ein gesunder Mensch im arbeitsfähigen Alter bei einer Exposition von 40h/Woche keine Schäden zu erwarten hat)
      >50 ppm merkbare Reizungen der Atemwege, Schäden der Schleimhäute
      620 mg/m³ LC50 Ratte (LC50 = Konzentration, bei der die Hälfte der Versuchstiere innerhalb einer definierten Zeit sterben)
      (Quelle: MSDS sigma-aldrich)

      Den Rest kann man sich jetzt selber abschätzen, ist wie immer eine Auslegungssache. Definiert man den MAK-Wert als vertretbare Grenze, kann man auch in einer kleinen Kammer (2x2x1,8m) eine Stinkbombe "öffnen" und ist mit 4,2 mg /m³ noch drunter. Da aber Kinder damit spielen ist es durchaus Ansichtssache, ob der MAK-Wert da Anwendung finden darf, auf der sicheren Seite ist man mit dem MIK, den man da schon (deutlich) überschritten hat. Zu einer ähnlichen Erkenntnis ist man offenbar in Hong Kong (offenbar werden die da produziert) auch gekommen:

      http://www.info.gov.hk/gia/general/200412/21/1221132.htm

      Um in einem kleinen Wohnzimmer mit 5x5x1,8m = 45 m³ physiologische Schäden hervorzurufen bräuchte man ca. 75 Stinkbomben (=50 ppm) - eine ganze Menge. Tötlich wirds dann ab 750.
      Steckt man dagegen die Stinkbombe in eine Tüte und stülpt sie jemand über den Kopf (jap, wir reden von Kindern...) und geht man mal von 1x1x0,5m Tütengröße aus, kommt man auf 60 ppm bei einer Stinkbombe. Nicht tötlich, aber mit Folgeschäden.

      Insofern...kann ich beide Seiten nachvollziehen. Bei sachgemäßer Anwendung für erwachsense Menschen sehe ich kein Gefährdungspotential und den Sicherheitspuffer mit ca. 70 Stinkbomben/ Zimmer ausreichend groß.
      Bedenkt man jedoch höhere Empfindlichkeiten von Kindern oder möglichen Mißbrauch ist auch eine ablehnende Haltung gegen eine nunmal durchaus hochtoxische Verbindung in Spielzeug verständlich.
    • mondfeuer
      Danke für die umfassenden Infos.

      Natürlich ist H2S ab einer gewissen Konzentration in der Luft gesundheitsschädigend oder in hohen Dosen sogar tödlich, das steht außer Frage, und wenn das Verbot dazu beiträgt, daß Gefahren von Kindern abgewendet werden, bin ich der Letzte, der sich dagegenstellen würde.

      Trotzdem - warum erst Mitte der 90er? Die Toxizität von H2S war auch schon vor 1997 bekannt. Die Sache erinnert mich frappant an das Luftheulerverbot, jahrzehntelang durften die Dinger fliegen, plötzlich sind sie zu gefährlich und weden illegalisiert... ich tue mich echt schwer mit solchen Entscheidungen, besonders in Bereichen wie Scherzartikel und Kleinfeuerwerk, wo ich mich einigermaßen auskenne und mit unzähligen Leuten ins Gespräch komme, deren persönliche Erfahrungen (ebenso wie die meinen) eine ganz andere Sprache sprechen.

      Übrigens, es gibt durchaus Varianten von Stinkbomben mit Sulfaten, die Lösung dieser Geräte besteht aus Natriumthiosulfat (auch "Fixiersalz" genannt) in einer wässrigen Säure, was in der handeslüblichen Kombination weniger H2S ausgasen läßt.

      Ich habs ja immer gesagt, die Hersteller hätten rechtzeitig auf die weniger gesundheitsbedenklichen Mercaptane umsteigen sollen, z. B. Butylmercaptan, wie es auch als Vergrämungs-/Vergällungsmittel für Propangas eingesetzt wird, da hätte man dann neben dem Furzaroma auch noch eine liebliche Knoblauchnote gehabt! :D;)
    • Matchbox
      > Übrigens, es gibt durchaus Varianten von Stinkbomben mit Sulfaten

      ...die dann von dem Verbot ja nicht betroffen sind, dieses beschränkt sich afaik auf Stinkbomben mit Ammoniumsulfid, Ammoniumhydrogensulfid oder Ammoniumpolysulfiden.
    • unkrautEx
      Ja, es stimmt: nach der Bedarfsgegenständeverordnung §3 dürfen Stinkbomben, ...
      Ich denke, man läßt den Vertrieb einfach sein, weil damit Leute potentiell genervt werden können.
      Die mögliche Zukunft von Consumerfeuerwerk ? ;)
      Ich stimme nicht nur zu, sondern bringe ein weiteres Beispiel mal ganz ab von dem Ansatz "bis zu welchem Punkt ist es so harmlos, dass keiner, egal, wie dumm er sich anstellt, gefährdet werden kann":

      Ein Klassenzimmer oder Labor. Höhe 3,5m; 7 m breit, 8m lang; ergo 200 m³ Volumen, kein Fenster oder Abzug ;)
      Eine Stinkbombe bringt 25 mg H²S ein, entsprechend ca. 17 ml Gas. (M= 34 g/mol, V~ 23 l/mol, bei Zimmertemp.)
      Wenn es einem Arbeiter international nachweislich zumutbar ist (TRGS 900), während seiner Arbeitszeit täglich und dauerhaft 10 ppm ausgesetzt zu sein (wären 2 l reines Gas in jenem Raum, also so ca. 87 mmol = 3000 mg) ... dann heißt das konkret:
      Arbeiter plus 120 Stinkbomben in den Raum - alles ist im grünen Bereich, der gewöhnt sich dran.
      Erhöht man auf 100 ppm - sprich: man schmeißt nochmal ca. 1000 (!) Stinkbomben rein, kriegt er rote Augen, hüstelt, schluckt.
      Nach Zugebe von fast 2000 weiteren Stinkbomben verschwindet der Geruch langsam aus der Wahrnehmung des Arbeiters (beginnende Rezeptoreninhibition); ab jetzt reichen nur noch wenige hundert, bis er sich erbricht ...
      Für wirklich gefährlich halte ich Konzentrationen ab diesen 250 ppm (~3000 Stinkbomben pro Klassenraum), da ab dann die Geruchsrezeptoren inaktiviert werden und die natürliche Abscheu verloren geht. (Fenster auf, raus hier)

      Das wären bei einem 200 m³-Klassenraum so ca. 50 l reines Gas pro Klassenraum mit geschlossenen Fenstern bis nach kurzer Zeit die Augen brennen, man hustet, es einem schlecht bis hin zum Erbrechen wird.
      Bei fast der 3-fachen Menge (700 ppm oder > 8000 Stinkbomben) überleben immerhin noch die Hälfte der Ratten nach 60 min. Exposition ...

      Eine strukturell identische Rechnung ließe sich mit Streichhölzköpfchen, Kerzen oder verbrannten Papiertaschentüchern, ... in einem geschlossenen Raum machen.
      Auch Lagerfeuerrauch ist hochtoxisch. Man nimmt einen Zug- selbst im Freien- , hustet, die Augen brennen sofort bis zum Liedschlußreflex - und man geht einen Schritt zur Seite.
      Würde man es nicht tun, könnte man sich tödlich mit Rauchgas vergiften.
      Entscheidend ist doch, dass man es wahrnimmt und reagieren kann.
      Bei H2S lassen sich wirklich spontangefährliche Konzentrationen nur mit Flaschengas, aber nicht mit spalteldimenioniertem Ansatz bereitstellen ("von null auf > 250 ppm") oder man findet es in Klärgruben, Schächten, umgekippten Brunnen o.ä., wo dem Dampfdruck keine Luftverwirbelung hilft, den geringen Dichteunterschied zur Luft auszuhebeln.
      Mit einer Tüte überm Kopf tut es auch CO2.
      Für wirklich bedenklich halte ich versteckte Gefahren, also Wirkungen, die schädigen, ohne dass der Körper entsprechend Warnsignale aussendet.
      Einen Link auch von mir :)
      ...und einer, der OT ist

      Edit: Habe die oberflächlichen Infos bezgl. gesetzl. Regelungen rausgenommen
    • mondfeuer
      Das wird ja immer interessanter, auch dir danke für die Infos!

      Für sulfatbasierte Stinkbomben habe ich bis dato leider keine Bezugsquelle finden können. Die Annahme, das Zeug könnte schlichtweg deswegen nicht oder nicht mehr verkauft werden, weil sich gewisse Leute davon genervt fühlen, ist wohl gar nicht so weit hergeholt - Selbiges scheint mir auch hinter div. Verstümmelungen einstmals guter Kleinfeuerwerksartikel zu stecken, aber das ist ein anderes Thema.

      Wenn jemand irgendwann mal eine Rechnung aufmachen würde, käme man vielleicht zum Schluß, daß während der Zeit der ersten Generation von PKW-Katalysatoren (man erinnere sich an die gar furchtbar müffelnden Audi-Kats) mehr H2S in die Umwelt und die Atemwege der Menschen geblasen wurde, als durch alle Stinkbomben seit 1949 zusammen...

      Fakt scheint zu sein, daß die Gefährdung, die von Stinkbomben auf Sulfidbasis in geschlossenen Räumen ausgeht, nur durch einen höchstens theoretisch denkbaren, enormen Mißbrauch (mehrere hundert davon werden in einen luftdichten Raum geschmissen) erreicht werden könnte, was wohl selbst den allerfiesesten Lausbuben mit riesigen Taschengeldreserven überfordern würde. :)
    • ivhp
      Nochmal ein kleiner chemischer Einwand ;)

      >Übrigens, es gibt durchaus Varianten von Stinkbomben mit Sulfaten, die Lösung dieser Geräte besteht
      >aus Natriumthiosulfat (auch "Fixiersalz" genannt) in einer wässrigen Säure, was in der handeslüblichen
      >Kombination weniger H2S ausgasen läßt.

      Das lässt schlicht und ergreifend gar kein H2S ausgasen. ;)

      Zuerst einmal ist ein Thiosulfat (S2O3 2-) etwas grundsätzlich anderes als ein Sulfat (SO4 2-). Letzteres, das Sulfat, reagiert mit Säure überhaupt nicht.
      Thiosulfat reagiert in der Tat mit Säure, jedoch unter Bildung von elementarem Schwefel (S) und Schwefeldioxid (SO2). Letzteres riecht zwar auch nach Schwefel, ist aber weit weg von einem echten "Gestank". Ich vermute mal daher wird die auch keiner als echte Stinkbombe verkaufen...

      Um H2S freizusetzen benütigt man (wenn man es einfach halten will) das Sulfid-Anion, alles andere bedeutet ein Wechsel in der Oxidationszahl. Am einfachsten wäre daher Natriumsulfid, Eisensulfid o.ä. + Säure zu nehmen, auch diese Kombination ist nicht verboten (und übrigens wohl auch käuflich, siehe z.B. http://www.playbetter.de/catalog/product_info.php?products_id=152)
      Die dabei freigesetzte Menge H2S sind genau die o.g. 30mg, Ammoniumsulfid ist nicht enthalten.

      Die hier auf dem Bild gezeigten Stinkbomben enthalten wahrscheinlich Ammonium(poly)sulfid, erkennbar an der charakteristischen Farbe. Da diese Stinkbomben das H2S langsamer freisetzten sind ggf. deutlich höhere Mengen an Sulfid enthalten, die auf Dauer auch mehr H2S entwickeln könnten - was zumindest ein denkbarer Grund für ein Verbot von Ammoniumsulfidhaltigen Stinkbomben wäre im Ggs. zu Stinkbomben die definiert allen (in sehr geringer Menge) enthaltenen Schwefel als H2S freisetzen.
    • mondfeuer
      Gut zu wissen.

      Jetzt dürften hier so ziemlich alle wesentlichen chemischen Grundlagen der Stinkbomben behandelt worden sein - so mag ich das! :)

      Ich habe bei dv. Experimenten aus einem sehr alten Chemiebuch für Laien (aus den 1940er Jahren) einen Thiosulfat-Versuch mit wässriger Säure gefunden, den ich vor vielen Jahren ausprobierte, quasi aus Neugier, was bei Stinkbomben wirklich passiert. Ich kann nur sagen, daß das Ergebnis olfaktorisch durchaus an Sulfidbomben heranreicht, wenngleich die Intensität und Wirkzeit nicht mit den normalen Stinkis vergleichbar war. Trotzdem ließ der Gestank nichts zu Wünschen übrig, es reichte sogar aus, meine Nachbarn zu einem Anruf zu bewegen, mit der Frage, ob bei uns denn jemand in die Wohnung geodelt hättet... ich hatte es glaube ich mengenmäßig dann doch übertrieben... :D

      Okay, jetzt hält ein Chemie-Laie wie ich erst mal bescheiden die Schnauze - nur noch schnell mal ein Danke für den Link zu den "Fart Bags", da werde ich doch glatt mal eine Bestellung platzieren!
    • Bewertung:
      5/5,
      ST4RS-69-
      Übrigens gieb est ja mitlerweile wieder Stinkbomben,unter dem Namen Stinkys Best bekommt mann sie
      wieder.Anders als die in Deutschland verbotenen Stinkbomben, enthalten diese keine chemischen Zusatzstoffe. Dieses wurde in einem Gutachten bestätigt.Und angeblich soll der Duft auch bedeutend länger als bei den früher vertriebenen Stinkbomben anhalten.:p
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  • Album:
    Sammlung
    Hinzugefügt von:
    mondfeuer
    Datum:
    7. Juni 2008
    Aufrufe:
    8.658
    Anzahl der Kommentare:
    21
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