Historie Feuerwerk an der innerdeutschen Grenze

Dieses Thema im Forum "Museum, Firmen, Historie" wurde erstellt von Kintaro87, 4. Nov. 2019.

  1. #1 Kintaro87, 4. Nov. 2019
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 4. Nov. 2019
    Moin,

    ich bin mir gar nicht sicher, ob hier was zusammen getragen werden kann, noch ob überhaupt Interesse dazu besteht. Aber als Norddeutscher, Baujahr '87, brenne ich schon lange auf dieses Thema. Wie wurde West wie Ost an der innerdeutschen Grenze das neue Jahr begangen? Ich kann mir vorstellen, dass der Reiz, Raketen "rüber zu machen", groß war. Hatte auch irgendwo mal gelesen, dass reinzufällig gegen 0 Uhr die Leuchtsignale im Todesstreifen hin und wieder ausgelöst wurden. Wie lief es in Berlin ab, eine Stadt mit Teilung. Auf beiden Seiten wurde ja gefeiert. Und wenn man schon dabei ist: Waren die feiern und Tradition unterschiedlich. Vielleicht hat ja jemand etwas zu berichten :)

    Gruß
     
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  2. Interessante Fragestellung :D
     
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  3. Für nur einen kurzen Zeitraum, um die Wende herum, als der Osten noch wild war, gab es wunderschöne Pyroartikel. z.B. den "Berliner Knallkopp" und die schönen, kleinen, aber heftigen "Knallraketen". Einen Sylvester an der innerdeutschen Grenze habe ich aber noch nie miterleben können.
     
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  4. Mehrfach wurde von ehemaligen Soldaten der Nationalen Volksarmee berichtet, dass sowohl der Bestand der Einhand-Sternsignale als auch die Imitationsknallkörper mit Reibzündung am Deckel in den Munitionslagern der Kasernen, je näher es auf Silvester zuging.. ääähh.. rückläufig wurde. Zumindest bei den Grenztruppen der Nationalen Volksarmee bedeutete das Zünden des Handleuchtsignals "Dreistern Rot" allerdings "Versuchter Grenzdurchbruch" und dürfte eher weniger zum Einsatz gekommen sein. :rolleyes:

    Einige Imitationsmittel bekamen tatsächlich nach der Wende auch eine offizielle BAM-Zulassung.
    Vom Berliner Knallkopp ist bekannt, dass für die Firma Pyrofa (Werk Berlin-Buchholz, nach einem Jahr in den Besitz der Diehl-Comet übergegangen) übergangsweise für einen kurzen Zeitraum tatsächlich eine Zulassung erteilt wurde, der Aufdruck auf Schachtel und Knallkörper lautet jedoch nur "BAM-PII".

    Berliner Knallkopp mit Pfiff - Mit Dank an den Herrn Nowottnick.. :) @YouDidntWantMe

    Auch einige Signalmittel bekamen eine T-Zulassung seitens der BAM. Mir ist bekannt, daß zumindest das Weißfeuer und das Rotfeuer, zwei Handfackeln mit Reißzünder tatsächlich auch zugelassen wurden, so wie einige Fontänen aus der DDR, die ab Mitte 1990 auch keinen "VEB" oder "EVP X,XX M" mehr tragen. (da die Aluchips der Mark der DDR zum 01.07.1990 von den guten alten Deutschen Märkern abgelöst wurde) Diese Behelfsetiketten sahen jedoch zumeist recht abenteuerlich aus.

    (zu den Zündmechanismen: Die Reißzünder unter einem Schraubdeckel hatten viele Handsignale, einige jedoch einen Schiebemechanismus an der Hülle selbst. Der Kanonenschlag mit Reibkopf, der Knallkörper mit Pfeifton und der Knallkörper D hatten am Deckel haftende Reibmasse, Nebelwurfkörper hatten einen Reißzünder unter einer Folie unter einem schützenden Deckel mit ringförmigem Griffstück..)

    Aus unzähligen Berichten ist belegt, dass das pyrotechnische Material der NVA auch nach Jahren bei den Dienenden beliebtes Silvesterspielzeug war, da die Silberhütte diese Imitationsmittel auch wirklich für die Ewigkeit hergestellt haben muß - es gibt aber ein bis zwei Berichte über durchzündende Treiber und fehlende Gliedmaßen der Hand.. (der Zündmechanismus einiger Handsignale (und damit den drallstabilisierten Raketen, die den Leuchtstern auf 200m (Herstellerangabe) trugen) wurde durch einen Schieberegler ausgelöst, der mit dem Daumen von unten nach oben geschoben wurde)

    Man dürfte aber am Silvesterhimmel ganz gut gesehen haben, wer gerade bei der Nationalen Volksarmee dient, infernalische Schläge mit "whistling prelude" und langanhaltende kräftig leuchtende (15 000 cd) Sterne wird wohl nicht jeder gehabt haben. ;)

    Das ist zumindest meine Auffassung und mein Zusammenklauben von Berichten, die hier schon stehen. Als Bürger der "selbstständigen Einheit Berlin (West)" oder der BRD hätte ich persönlich vom "zonenübergreifenden Abfeuern" von ptG Abstand genommen.. man konnte ja nie wissen. Ich könnte mir vorstellen dass es ein treuer wachhabender Soldat u.U. sogar als versuchte Grenzverletzung gesehen hätte, ich hätte mir den Ärger nicht gemacht. Ähnliches gilt für den umgekehrten Weg des über den Eisernen Vorhang geschmissenen Knallers..
     
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  5. Ich kann mit Glück und Stolz behaupten dabei gewesen zu sein beim Sylvester 1989. Mein Wohnort (Kleinmachnow) lag direkt an der ehemaligen Grenze Düppel "Zehlendorf". Die Mauer führte bei den dort wohnenden Leuten an der Stammbahn direkt durch deren Gärten. Ich glaube der Grenzübergang wurde auch direkt am 10.11.89 geöffnet. WIr waren mit der Schulklasse vor Ort mit den Lehrern, als das Mauerstück mittels eines Radladers aus der Reihe gehoben wurde (ich war damals 14). Danach gabs kein halten mehr..ich glaube die Ossis sind einfach rübergestürmt und die Wessis standen nur links und rechts um in der Mitte eine Schneise für die Flut zu lassen. Dabei sind wir wie in einer Welle mit rübergeschwemmt worden und nahmen aus uns zureichenden Händen Geschenke an, wie Süssigkeiten und anderes Zeugs..
    Das anschliessende Sylvester wurde natürlich von ganz Kleinmachnow und der anderen Seite (Zehlendorf) zusammen an diesen Grenzübergang gefeiert.
    Es flogen Unmassen an Böllern durch die Menge, die Strasse war gepflastert von leeren Pappbechern, Papierflaggen, Böllern, Getränkedosen und Zigarettenschachteln..man konnte kaum laufen. Es war unbeschreiblich laut und schön, ich werde das nie vergessen welche positive Energie dort vorhanden war, irgendwie waren alle glücklich und total euphorisch.
    Am nächsten Morgen sah es dort aus wie eine Müllkippe und überall lagen interessante pyrotechnische Erzeugnisse die mein Auge zuvor noch nie erblickte..
     
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