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Kleinfeuerwerk Historische Feuerwerkskörper einscannen

Dieses Thema im Forum "Museum Effekte" wurde erstellt von juhench, 1. Sep. 2013.

  1. Klingt komisch, gelingt aber seit heute nachmittag bei mir mit Hausmittlen ganz gut. Das Ergebnis (bitte "stitched" Bilder ansehen, z. B. tolle Lola) seht Ihr hier:

    https://picasaweb.google.com/jurgen.hench/ModellraketenModelRockets?authuser=0&feat=directlink

    Und das braucht man dazu:

    Ein Wochenende :)

    Einen (möglichst runden) Feuerwerkskörper, der so befestigt wird, daß er sich um seine Achse dreht. Wenn er nicht ganz "rundläuft", ist das nicht weiter Schlimm, ein paar mm hier und da kann die Software korrigieren.

    Eine Digitalkamera, am besten Spiegelreflex oder eine, bei der man Serienbilder aufnehmen kann mit einigen Sek. Verzögerung (Getestet: Nikon D5000) bei blockiertem Autofokus. Zahlreiche Canon-Kompaktkameras sollten auch gehen, insbesondere diejenigen mit CHDK-Unterstützung (Entwicklungswerkzeug, mit der man kleine Programme auf der Kamera ablaufen lassen kann, z. B. Focus-Lock und Serienbilder.

    Am besten geht das ganze bei Tageslicht.

    Weiterhin braucht man ein Stativ (Ministativ aus dem Tedi etc. ist ausreichend) und eine drehbare Scheibe (z. B. Ikea-Servierplatte aus Holz...) auf der man den Gegenstand in die Mitte abstellt.

    Raketen können z. B. mit der Spitze nach unten in Knete gesteckt werden, bei leeren Hülsen einfach Spitze abnehmen und auf den Kopf stellen.

    Mit einem Bandmaß wird nun die Drehscheibe am Rand mit gleich breiten Marken versehen. Ich habe 12 Grad-Schritte gewählt. Das mach dann 30 Fotos pro Runde.

    Den Nullpunkt habe ich mit einem Zahnstocher, angeklebt an einen Flaschendeckel, markiert.

    Am besten läßt man nun die Kamera im 5-Sekunden-Intervall Bilder machen und dreht die Scheibe immer um eine Marke weiter. Dann - KNIPS - im Uhrzeigersinn weiterdrehen - KNIPS - usw, bis die Kamera 30 Bilder gemacht hat.

    Bilder auf einen Rechner kopieren (egal: Linux, Mac, Windows). Bilder am besten in einen separaten Ordner legen.

    FIJI - ImageJ (http://fiji.sc/Fiji) laden und starten. Den erzeugten Ordner auf das ImageJ-Fenster ziehen (auf die graue Statusleiste unter den Buttons). Nicht einzelne Bilder ziehen. Alternativ: "Open > Image Sequence" und das erste Bild auswählen. Dann "Convert to RGB" wählen.

    Es dauert einen Moment, dann erscheint ein Bildstapel, in dem man das drehende Objekt (Bildserie) sehen kann. Mit dem Rechteck-Auswahlwerkzeug nun innerhalb der Rakete (ca. 2/3) der Gesamtbreite eine rechteckige Auswahl erzeugen. Dann im Menü "Image > Crop" (ausschneiden). Im Betriebssystem einen neuen Ordner anlegen. Dann den ausgeschnittenen Bildstapel speichern als "Save as > image sequence". Dateiname am besten kurz (z. B. stitch). Bildformat am besten PNG. Es werden dann Dateien namens stitch0000.png, stitch0001.png usw. gespeichert. Bildstapel schliessen.

    Menü "Plugins > Stitching > Grid / Collection...."
    "Grid row-by-row" "right & down" > OK

    Grid size x: 30 (oder eben so viele, wie Bilder gemacht wurden)
    Grid size y: 1
    Tile overlap: mal gut geschätzt ca. 70% (sieht man ja an den Bildern, sollte ca. stimmen für beste Qualität und schnellere Berechnung)
    First file index i: 0
    Directory: Verzeichnis mit den stitch0000.png etc. angeben.
    File names for tiles: stitch{iiii}.png
    Ouput textfile: TileConfiguration.txt
    Fusion method: Median
    Regression Threshold: 0.01
    Max/avg displacement threshold: 1.00
    Absolute displ. thre.: 3.5
    [ ] Add tiles....
    [X] Compute ...
    [ ] Invert X...
    [ ] Invert Y...
    [ ] Invert X...
    [X] Subpixel ...
    [ ] Use virtual .....

    Computation: mit genug RAM immer "save computation time." wählen

    Image output: Fuse and display.

    OK.... Auf einem Intel Quad core mit 8GB RAM dauert das ein paar Sek. Es hängt alles am RAM hier und ein wenig an der CPU-Leistung.

    Es erscheint das Fusionsbild, bei dem alle Bildabschnitte möglichst korrekt überlagert sind.

    Was meint Ihr dazu? Ich habe auch den Thread wegen Fälschungen und dergleichen gelesen. Ja, ich bin dagegen, solche Dinge als Original zu verkaufen und dann noch illegal mit explosivem Inhalt zu versehen. Ich bin allerdings nicht dagegen, wenn Antikensammler sich mit Druckvorlagen aushelfen, um ein paar fehlende Hülsen zu rekonstruieren oder auch nur zu restaurieren. Das hat dann mit Pyrotechnik zwar nicht mehr viel zu tun, aber mit dem Warmhalten der Erinnerung an die schönen Zeiten.

    Ich bin gespannt, wann mehr Hülsen beigetragen werden. Auch Treibsätze, natürlich. Die muss man (wegen anderem Durchmesser) separat "stitchen". Ich werde demnächst ein paar Feistel-Treibsätze scannen.
     
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  2. Klingt sehr interessant! Muss man mal ausprobieren.. Mit nem 3D Drucker kann man sich dann in 20 Jahren ein ganzes Großfeuerwerk drucken lassen.. Hab auch nen Intel i5 und 8GB RAM.. Bin gespannt wie lang es dauert ;)
    LG
     
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  3. Das ist dann genau die richtige Sorte von PC für diese Aufgabe. Mit weniger RAM geht es sicher auch, aber dann "swappt" der Rechner, und das dauert. Für eine Rekonstruktion wird bei mir 1-1.5 GB RAM belegt, temporär dürfte es sogar etwas mehr sein.

    Wenn die Scans nicht ganz gerade sein sollten, kann man sicher in GIMP noch eine entsprechende Entzerrung laufen lassen.
     
  4. Dieser Hype um den 3D-Drucker ist ein Hype. Es wird noch sehr, sehr lange dauern, bis 3D Drucker in der Lage sind, Produkte aus derart verschiedenen Komponenten und Arbeitsschritten herzustellen, wie es etwa bei der Produktion eines gut verpressten Chinaböllers nötig ist. Und selbst wenn: Das Schwarzpulver wird er nicht drucken können, das muss man schon kaufen. Wobei - warum kein 3D-Kernfusionsdrucker kaufen? Einfach nur nen Wasserstofftank anschließen und dann fusioniert der einem die Elemente Schwefel, Stickstoff, Sauerstoff usw. nach Bedarf zusammen. :) Wo setzen wir diese Technologie an - Jahr 2500 ? Theoretisch machbar wäre es. Bis dahin liegt aber sicher eh jeder Mensch mit virtualisierenden Kontaktlinsen in einer Art Wachkoma - von der Geburt bis zum Tod. In die Hand nimmt dann schon längst keiner mehr einen Böller.
    ODER: Es gibt einen mittelalterhaften Rückfall in vorindustrielle Zeiten (deutet sich bei der DEGROWTH-Bewegung ja schon langsam an...). Die Geschichte lehrt uns ja, dass nach einer Zeit des technischen Fortschritts durchaus mal 1000 Jahre "dunkle Zeit" kommen können... also, man darf gespannt sein! Ich tippe, dass letzteres eintreten wird, denn wer will schon Zeit seines Lebens im Wachkoma liegen. :dontthinkso:

    Zum Scannen:
    Einige Scanner haben eine beachtliche Tiefenschärfe, da lassen sich kleinere Feuerwerkskörper sogar räumlich sehr schön darstellen.
     
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  5. Infos über die beschriebene Methodik sind unter dem Suchbegriff "structure from motion" (SFM) zu finden....
    Funktioniert übrigens auch ohne Drehteller & ohne Stativ!
     
  6. Das gibt es doch schon längst.......im Büro, auf der Autobahn, an der Ladenkasse...tagtäglich...:cool:
    <sarkasmus off>
     
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  7. #7 krachenderpaul, 1. Okt. 2015
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 21. Aug. 2016
    Schönen guten Tag!

    Darf ich denn mal ganz kurz nachfragen, welchen Scanner du dafür verwendest, denn ich finde das sehr interessant. Habe mir in den letzten Jahren immer von speziellen Editionen und Feuerwerken einen aufgehoben und würde diese dann auch gerne "einscannen", wenn möglich.

    Einen Scanner habe ich noch nicht, muss ich mir aber sowieso kaufen.

    Lg
     
  8. Tolle Sache, das! Für mich als Replik-Bauer besonders interessant, allerdings ist die technische Beschreibung des Vorgangs für mich schon ziemlich schwer verständlich, da ich allenfalls ein Basiswissen besitze, was Computertechnik betrifft. Ob ich mal dahin komme, sowas selbst zu machen, weiß ich nicht, ist auch 'ne Frage der verfügbaren Zeit, sich damit auseinander setzen zu können.

    Aber die Idee ist toll, die Mühen, die da drinstecken, anerkennenswert! Vielleicht kann man sich mal arrangieren, was der Eine kann, kann der Andere vielleicht nicht und umgekehrt.
     
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