Großfeuerwerk Pistil bei Zylinderbomben

Dieses Thema im Forum "Großfeuerwerk, Indoor-Pyrotechnik, SFX" wurde erstellt von Yves, 22. Feb. 2007.

  1. Beim betrachten einiger Videos vom Malta Fireworks Festival ist mir aufgefallen, daß es bei vielen Zylinderbomben eine klar erkennbare innere und eine klar erkennbare äußere Sternenschicht in verschiedene Farben gab. Bei manchen Bomben gab es sogar drei Schichten.
    Die Bomben scheinen also, ähnlich wie auch großkalibrige Kugelbomben, über eine Art Pistil zu verfügen. Die Frage, die mich jetzt beschäftigt, ist, wie es zu einer sauberen Trennung der einzelnen Schichten bei den Zylinderbomben kommt. Bei den Kugelbomben gibt es ja zwichen zwei Sternlagen immer eine Schwartzpulverschicht, womit klar ist, daß die äußeren Sterne in der Bombe auch am Himmel weiter außen kommen. Auf den wenigen Zeichnungen von Zylinderbomben , die ich finden konnte, lagen, wenn es überhaupt zwei Sternenschichten gab, diese sofort aufeinader, ohne Schwartzpulverschicht dazwichen. Mir ist allerdings unklar, warum dann die äußeren Sterne sehr viel weiter fliegen als die inneren, wo sie doch der gleichen Zerlegerladung ausgestzt sind.
     
  2. Bei Zylinderbomben können einfach mehrere Lagen gestapelt werden. Praktisch räumlich voneinander getrennte Effektsätze mit natürlich auch unterschiedlichen Zerlegerladungen.
    Grüße
    Pyrol
     
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  3. Die unterschiedlichen Schichten befinden sich also in der Bombe nicht ineinander sondern übereinader. Intressant, allerdings frage ich mich dann, warum sie am Himmel ineinander erscheinen und nicht übereinander. ;)
     
  4. Hallo!

    Doch, die Sterne befinden sich in der einzelnen Zerlegung, wenn man jetzt von der typischen 3-Schlag-Bombe ausgeht, in Ringen ineinander. Die Sterne sind meist zylindrische gepreßte Sterne bei den Farbbomben, bei Bomben mit Flimmer- oder Goldeffekten werden in Malta auch gerollte Sterne verwendet. Die Bomben werden zudem meist mit einer "langsameren" Schwarzpulverzerlegung gefertigt, dafür wird dann aber auch die gesamte Bombe umschnürt, ohne Zwischenräume bei der Schnürung.

    Manchmal sieht man aber durchaus auch die einzelnen Schichten getrennt voneinander, es kommt eben drauf an, wie die Zylinderbombe bei der Zerlegung zum Betrachter hin steht.

    tschüß
    Alex
     
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  5. Ja, auf den Videos waren fast ausschließlich Mehrschlagbomben, meist zwei bis drei Schläge und der Botta.
    Gibt es denn nun eine Schwarzpulverschicht zwichen den Ringen oder nicht?

    Was genau heist das? Mir ist nicht ganz klar, was Zwichenräume bei der Schnürung sein sollten.

    Klar, die Bomben rotieren ja nach dem Abschuß chaotisch um alle drei Achsen. Öfters sah man allerdings quasi von oben auf die Bombe drauf (die Bombe explodierte also seitlich), und dann waren die einzelnen Ringe sehr gut zu erkennen. So bin ich dann auch auf die Frage gekommen.
     
  6. Hallo!

    Nein, zwischen den einzelnen Sternlagen befindet sich keine Pulverschicht bei den klassischen Zylindern. Die Sterne fliegen und trennen sich je nach Größe, Gewicht und Satz praktisch von selbst in einzelne Ringe auf.
    Bezüglich der Schnürung: bei Bomben italienischer Bauart, die etwas anders aufgebaut sind und in der Zerlegung anders gestaltet sind, bildet die Schnürung quasi ein (mehr oder weniger) feinmaschiges Netz um den Bombenkörper. Das heißt, du siehst das Kraftpapier noch durch. Maltesische Bomben werden komplett mit Schnur umwickelt, um den nötigen Druckaufbau bei der anderen Zerlegerart zu erreichen.
    Es hat beides sein für und wider - ich persönlich bevorzuge für die Eigenherstellung die italienische Variante, aber trotzdem kommt es ganz auf den Effekt an, den man erreichen will. Es sind schlicht zwei unterschiedliche Methoden.

    tschüß
    Alex
     
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  7. Da die äußeren Ringe länger brennen, dürften das ja dann die schwereren Sterne sein. Wenn ich das richtig verstanden habe, bekommen diese also dann wegen ihrer höheren Masse mehr Energie mit auf denn Weg, und fliegen deshalb weiter.

    Intressant, ich kannte bisher nur die italienische Variante.

    Wie unterscheiden sich beide Bauarten denn nachher im Effekt?
     
  8. Hallo!

    Na ja, die italienische Bauart ist zum einen gut geeignet für Bombetten und Inserts größeren Kalibers (beim Intreccio oder Riprese beispielsweise), die Malteser verwenden da meist nur die kleinen Beraqs als Blitzbombetten. Zum anderen bekomm ich mit der maltesischen Technik eben diese Stufung und in gewisserweise ein runderes Bukett hin, wenn es um Sternbuketts geht.

    tschüß
    Alex
     
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  9. Erst mal danke für die ausführlichen Informationen. Jetzt fehlt mir nur noch eine Erklärung für die beiden Begriffe Riprese und Beraqs. ;)

    Du scheinst ja über detailiertes Wissen aus dem Bereich Zylinderbomben zu verfügen, gibt es eine Informationsquelle, die du mir emphelen kannst, also zu Beispiel eine intressante Webseite oder ein gutes Buch.
     
  10. Hallo!

    Riprese ist von der "Technik" her dasgleiche wie ein Intreccio, allerdings bei Tagesbomben und ausschließlich mit Blitzbombetten. Beraqs sind kleine, ebenfalls von Hand geschnürte Bombettchen mit weißer oder farbiger Blitzmischung (manchmal auch mit Farbsternen), die zu hunderten oder tausenden in großen maltesischen Bomben Platz finden. Im Album müßten eigentlich Bilder davon zu finden sein, sonst stell ich am Wochenende mal was rein.
    So richtig umfassende Literatur oder eine Homepage gibt es leider nicht, da ist ziemlich viel "Einzelteile zusammensammeln" angesagt und learning-by-doing. Es gibt zwei recht gute Artikel in der Pyrotechnica von einem Herrn Fulcanelli (Nummer IX, April '84 und Nummer XI, Juni '87), die als Startlektüre ganz gut und relativ umfassend sind, aber natürlich auch nicht alles beinhalten. Eine Beschreibung der maltesischen Technik kenne ich in detailierterer, schriftlicher Form nur vom Online-Magazin passfire.com. Alles andere ist "mit den Augen klauen" und nach Italien oder Malta fahren und mitbasteln :)

    tschüß
    Alex

    Edit: ich zitiere mal Stardust

    hier, Sterne
    http://www.feuerwerk-forum.de/album/showphoto.php?photo=4167

    Beraq
    http://www.feuerwerk-forum.de/album/showphoto.php?photo=4171
     
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  11. Das ist natürlich schade. Artikel von '84 und '87 sind wohl kaum noch aufzutreiben, außerdem könnte ich sie wahrscheinlich gar nicht lesen :(
    Hinfahren und mitbasteln lässt sich wahrscheinlich auch nicht so einfach organisieren, ich kann mir kaum vorstellen, dass die einfach mal so jeden mitmachen lassen.
     
  12. Doch, doch, die Pyrotechnica-Ausgaben sind alle noch erhältlich, entweder bei Prometheus-Publications selbst oder über Händler wie zum Beispiel Skylighter.
    In Malta sind die Leute, da es ja dort alles "Amateure" sind, sprich Ehrenamtliche, die den einzelnen Bandclubs angeschlossen sind, durchaus recht aufgeschlossen und gastfreundlich. In Italien ist die Gastfreundschaft ebenso groß, nur das mitarbeiten ist, da es sich dort ja um kommerzielle Firmen handelt, natürlich noch mehr auf Vertrauensbasis angewiesen als in Malta

    tschüß
    Alex
     
  13. Genau diese beiden Pyrotechnica-Ausgaben waren lange Zeit vergriffen - ich habe sie, glaube ich, auch noch nicht.

    Aber Hanabi wird sicherlich, so wie er es schon fleißig tut, das FEUERWERK Wiki beizeiten erweitern, gerne auch mit den Fotos von Stardust, weil dieser sicherlich gerne die Bilder auch ins Wiki läd ;)

    Natürlich hat man dann kein "Lesebuch", wo alles nach und nach beschrieben ist. Aber die Begrifflichkeiten wären erklärt und man könnte sich durchklicken.

    Übrigens sehr interessantes Thema!
     
  14. Ich finde das, was jetzt im Wiki steht, schon sehr intressant, und mehr Information ist natürlich immer besser. ;)
    Das Durchklicken ist für mich kein Problem, Menschen verarbeiten Information ohnehin nicht linear sonder eher vernetzt, und es ist doch auch sehr praktisch, wenn man sich einen Begriff einfach durch draufklicken wieder ins Gedächnis rufen kann; bei einem Buch muss man immer zurückblättern.
     
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