Südeuropa [Video, Bericht] Italien 2019 - Viaggio di Pasqua in Sicilia e in Italia

Dieses Thema im Forum "Feuerwerke, Events" wurde erstellt von HoPa, 9. Feb. 2020.

  1. #1 HoPa, 9. Feb. 2020
    Zuletzt bearbeitet: 9. Feb. 2020
    Ciao zusammen!

    Dieses Mal habe ich es nicht geschafft, mein Video und Bericht in der Vor-Silvesterzeit fertigzustellen. Doch in der aktuellen Thread-Lage und dem jetzt schon gefühlt präsenten Sommerloch, ist es heute bestimmt keine schlechte Gelegenheit. Circa 150-200 Arbeitsstunden habe ich in mein drittes Feuerwerks-Urlaubs-Video investiert. Und wer keine Lust auf einen langen Bericht hat und sich lieber audiovisuell unterhalten lassen möchte, der darf gerne wieder sofort das Video schauen.



    Auch in diesem Jahr verlinke ich meine treuen User, damit Euch der Bericht – so wie es mir häufig im Forum passiert – nicht durch die Lappen geht: @Pyro @Gothic Light @Scherzartikel @NightFlyer @BigBoomBang @Dobi @Koala @Royan @svenboom @Talfeuerwerk @powerfluse @TOMQX @Pyroflyer @Digi-Quick @PyroWolle .

    Da mein letzter Bericht aus Malta und Italien sehr ausführlich und einigen sogar zu ausführlich geworden ist, versuche ich mich trotz längeren Urlaubs etwas kürzer zu fassen und an den Umfang meines ersten Berichts aus Malta anzuknüpfen. *Nachtrag: es ist mir zwar gelungen, aber viel weniger Wörter sind es nicht geworden.

    In 2018 habe ich gemeinsam mit Dani (@RREEYY) meine ersten italienischen Feuerwerks-Erfahrungen gesammelt und war absolut baff. Obwohl ich schon viele Videos kannte und meine Erwartungshaltung sehr hoch war, konnte ich schwer begreifen, was ich in nur zwei Tagen alles erleben durfte. Anders als damals im Anschluss an Malta, entschieden wir uns im letzten Jahr für eine exklusive Reise nach Italien über Ostern. Da die Italiener ein besonders gläubiges Völkchen sind und ihre Feste glücklicherweise mit jeder Menge Feuerwerk feiern, war das für uns nur die logische Konsequenz.
    Dani übernahm wiedermal die absolut top organisierte und durchdachte Planung, sodass wir mit Michi, Lena, Dominik und Micha in ein 12-tägiges Abenteuer starten konnten.

    Ablauf in Kurzform:
    • Mittwoch, 17.04.
      • Hinflug von Nürnberg nach Palermo
      • Transfer zur Mietwagenstation
      • Fahrt zur Unterkunft
    • Donnerstag, 18.04.
      • Fahrt nach Agrigento
      • Besichtigung von Tempeln
      • Landschaften/Strand genießen
    • Freitag, 19.04.
      • Ätna Besteigung
    • Samstag, 20.04.
      • Wanderung im Riserva Zingaro
      • Landschaften genießen
      • Insel erkunden
    • Sonntag, 21.04.
      • Osterfest in Burgio (je 1 Tages- und Nachtfeuerwerk)
    • Montag, 22.04.
      • Etnaland
      • Entspannen
    • Dienstag, 23.04.
      • Besichtigung zerstörte Stadt Poggioreale
      • Strand
      • Rückgabe Mietwagen
      • Abfahrt Fähre von Palermo nach Neapel
    • Mittwoch, 24.04.
      • Ankunft Fähre in Neapel
      • Abholung Mietwagen
      • Miragica (Freizeitpark) oder Strand
      • Fasanolandia (Freizeitpark)
      • Check-In Unterkunft
      • Festa Maria in Castro (4 Nachtfeuerwerke)
    • Donnerstag, 25.04.
      • Check-Out Unterkunft
      • Fahrt nach Casola
      • Check-In Unterkunft
      • Festa Maria in Bellona (Tagesfeuerwerk, 10 Batterias, Mascolata, Nachtbatteria)
    • Freitag, 26.04.
      • Besichtigung Pompei
      • Festa Santa Maria in Somma Vesuviana (einzelne Bomben)
    • Samstag, 27.04.
      • Fahrt nach Parete
      • Festa Maria in Parete (Mascolata, einzelne Bomben, Tagesfeuerwerk)
      • Fahrt nach Somma Vesuviana
      • Festa Santa Maria in Somma Vesuviana (Tagesfeuerwerk)
      • Timo wird zum Flughafen gebracht, denn seine Nichte kommt am Sonntag zur Kommunion
      • (Fahrt nach Parete)
      • (Festa Santa Maria in Parete (3 Nachtfeuerwerke, 1 Musikfeuerwerk))
    • (Sonntag, 28.04.)
      • Ruckgabe Mietwagen
      • Zugfahrt nach Rom
    • (Montag, 29.04.)
      • Rückflug nach Nürnberg
    Ein voll gepacktes, aber aufgrund der Dauer recht entspanntes und vor allem sehr abwechslungsreiches Programm, das neben viel Feuerwerk noch einige weitere Highlights und – Vorsicht: Spoiler – böse Überraschungen versprach.

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    Bereits beim Landeanflug kann man erahnen, wie unfassbar schön Sizilien ist. Bislang hatte ich die Insel höchstens mit dem Ätna oder dem ein oder anderen großen Feuerwerk in Verbindung gebracht. Dass so eine tolle Landschaft auf mich wartet, damit habe ich einfach nicht gerechnet. Stand heute sage ich, dass Sizilien die mit Abstand schönste Insel ist, auf der ich jemals gewesen bin. Zugegebenermaßen scheint es abhängig von der Jahreszeit zu sein, in welcher "Blüte" sich Sicilia präsentiert. Wir hatten im April auf jeden Fall Glück und waren auch wettertechnisch mit rund 20 Grad und viel Sonnenschein gut bedient.

    Am Flughafen holten wir zwei süße Fiat 500 als Mietwagen ab, verstauten mit Ach und Krach unser Gepäck und machten uns auf die 1,5-stündige Autofahrt in Richtung Unterkunft. Während der Autofahrt merkt man immer intensiver, wie sagenhaft und wunderschön diese Insel ist. Habe ich das bereits erwähnt? Egal, wird noch ein paar mal kommen.
    Unsere Unterkunft hatte Dani über Airbnb ideal ausgesucht. Groß, gut gelegen, geräumig, sauber, einfach perfekt. Wir kamen erstmal an, gingen einkaufen, tranken abends gemütlich ein paar Radler/Bier, hörten gute Musik, quatschten und freuten uns auf die kommenden Tage.

    Am nächsten Tag entschieden wir uns spontan dazu, in Agrigento das "Tal der Tempel" zu besichtigen und gleichzeitig etwas die Insel zu erkundschaften. Um mich kurz zu halten: Es war interessant und ein entspanntes Ausflugsziel mit abermals tollen Landschaften und Informationen über die Geschichte. Wer in der Nähe ist, sollte für wenig Geld mal hin. Im Anschluss daran fuhren wir noch an einen sehr schönen Strand, machten Steine-Weitwurf und allerlei Quatsch.

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    Am Abend erreichte uns noch eine Nachricht von Andrea. Andrea Ercolani sollte am Freitag – also am nächsten Tag – unser privater Vulkanführer für den Ätna sein. Er prognostizierte bestes Wetter für einen Aufstieg, gab uns noch letzte Tipps und Infos. Schon seit meiner Kindheit faszinieren mich Vulkane und ganz hoch dabei im Kurs war schon immer der Ätna. Von meinem Onkel habe ich sogar Lavagestein als Deko in meinem Kinderzimmer gehabt, das er mir damals von seiner Besteigung des Vulkans mitgebracht hat. Als Dani von einem Feuerwerks-Urlaub auf Sizilien erzählte, schaltete ich erst, als er selbst den Ätna mit ins Spiel brachte. Seit dem Vorhaben war ich sprichwörtlich Feuer und Flamme...

    Vorneweg sage ich Euch: Nehmt weder den folgenden Text, die Bilder noch das Videomaterial als Maßstab. Ich bin selbst heute noch nachhaltig geflasht von diesem Tag. Wir alle konnten nur schwer begreifen, was wir dort oben alles gesehen und erlebt haben. Es ist schlicht und ergreifend nicht in Worte zu fassen und nicht mit Kameras festzuhalten.

    Morgens um 6 Uhr brachen wir auf und traten die 3-stündige Fahrt nach Catania an. Diese Autofahrt war der reinste Augenschmaus; und dabei war der Sonnenaufgang nur das i-Tüpfelchen. Landschaften wie gemalt, teilweise dachte ich, wir wären im Auenland. Ich hatte beinahe Angst um die Akkus und Speicherkarte meiner Kamera, wollte ich doch jede Szene einfangen. Ich rechnete ohnehin nicht damit, viel auf dem Ätna zu filmen, schließlich ist es ein Vulkan mit einem Krater. Dani und ich sagten uns vorher schon: "Wir dürfen nicht zu viel erwarten, wahrscheinlich wird es sogar relativ unspektakulär". Was hatten wir nur für eine Ahnung...

    Bereits viele Kilometer vor dem Ziel kann man den Ätna aus der Ferne erkennen. Massiv und majestätisch zieht er seine Blicke auf sich – immer mit jeder Menge weißer Rauch (hauptsächlich Wasserdampf) am Gipfel. Es folgt ein sehr langer, steiler Weg nach oben. Unser Fiat hat gekämpft und letztendlich die Serpentinen gut gemeistert. Die Landschaft verändert sich nahezu schlagartig. Auf dem Weg nach oben ist überall erkaltete Lava, zerstörte Gebäude, tote Bäume. Ein ziemlich surreales Erlebnis, aber das war erst der Anfang.

    Gegen 9 Uhr erreichten wir auf 1.900 m Höhe die Bergstation und trafen sofort auf Andrea. Andrea ist in Basel geboren und lebt seit über 20 Jahren auf Sizilien. Er ist Vulkanführer am Ätna, auf Vulcano und Strombolii. Btw: Vulcano und Stromboli sind unsere nächsten Urlaubsziele – natürlich gepaart mit Feuerwerk – in gut zwei Monaten. :)
    Die private Führung ist mit ca. 380 € pro Gruppe (exkl. Seilbahn und Bergfahrt, 45 € p. P.) vergleichsweise teuer, lohnt sich dafür aber umso mehr. Ich kann es nur jedem empfehlen, Andrea oder einen Kollegen/Kollegin von ihm zu kontaktieren. Man ist unter sich, erhält deutlich mehr Informationen, kann mehr Fragen stellen und gelangt dorthin, wo sich bewusst kein öffentlicher Vulkanführer hin verirrt.

    Nachdem wir die Wanderschuhe ausgeliehen/angezogen, uns für die Kälte präpariert und unsere Gasmasken erhalten hatten, konnte es los gehen. Der weitere Aufstieg ist schnell erklärt: Läuft man nicht zu Fuß, gewinnt man mit der Seilbahn 600 Höhenmeter (hier ist viel los, dank Andrea durften wir vordrängeln). Von dort aus kann man mit einem Geländebus weitere 400 Höhenmeter einsparen. Wir haben uns für beide Varianten entscheiden, um einfach mehr Zeit auf dem Berg zu haben. Im Nachhinein war das eine gute Entscheidung, denn die Zeit vergeht enorm schnell dort oben.

    Weil man sehr schnell viele Höhenmeter zurücklegt, ist es anfangs für die Lunge nicht leicht, klar zu kommen. Neben der dünneren Luft sind auch die ersten Schwefeldämpfe ungewohnt. Durch meine Lungenentzündung wenige Monate zuvor, war es für mich besonders heftig. Nach 10-15 Minuten wurde es aber immer besser und der Aufstieg konnte beginnen.

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    Bei um die 0 Grad und purem Sonnenschein hat der Aufstieg großen Spaß gemacht. Doch ohne die entsprechende Ausrüstung (gute Wanderschuhe, Micha hätte nach einem Sturz fast abbrechen müssen und somit wir wahrscheinlich auch) und eine gute körperliche Verfassung sollte man den Ätna nicht bis ganz oben besteigen. Die vermeintlich wenigen letzten 400 Höhenmeter gestalten sich schwieriger als man denkt. Der Untergrund variiert von Gestein, Geröll über Schlamm und Sand/Torf bis hin zu Eis und Schnee und manchmal allem zusammen. Jeder Schritt will überlegt sein und kann einen trotzdem überraschen. Der Dampf tut sein Übriges und erschwert teilweise die Sicht. Es gibt aber auch Passagen, die völlig klar sind.
    Man wird sich ziemlich schnell bewusst, dass wenige Zentimeter unter einem der Boden sehr warm bis heiß ist. Gräbt man ein bisschen mit der Hand oder hält diese in tunnelartige Systeme, ist die Verbrennungsgefahr recht hoch. Andrea hat uns mit unfassbar vielen Informationen zur Geschichte, Entstehung, Aktivität, Gefahren und Phänomenen des Ätna versorgt. Leider habe ich nicht alles behalten können und außerdem würde das (noch mehr) den Rahmen sprengen.

    Laut Andrea hatten wir das bestmögliche Wetter. Sonnenschein, wenig Wind, klare Sicht. Ich habe noch nie so eine Ruhe "gehört" oder empfunden wie oben auf diesem Vulkan. Das war wunderschön. Dazu diese absolut surreale (Mond-)Landschaft, alles dampft und qualmt, es ist kalt, aber von unten doch warm. Unfassbar. Bis heute.

    Kurz bevor wir zum Krater kamen, sagte Andrea zu uns: "Wenn Ihr Glück habt, macht sie heute Geräusche für Euch.". "Sie? Ich dachte immer, es heißt DER Ätna?", fragte ich verwundert. "Nee, das ist auf jeden Fall eine sie. So zickig wie sie ist; deswegen nennt auch jeder Einwohner Siziliens die Dame DIE Ätna.". Interessant, aber was sollten das für Geräusche sein? Der Ätna ist einer oder sogar der best überwachteste Vulkan. Um die 140 Messstationen sind auf dem Berg verteilt und versorgen Vulkanologen und letztendlich auch den Bürgermeister mit wichtigen Informationen. Jeden Tag präsentieren die Vulkanologen ohne Empfehlung die aktuellen Daten. Der Bürgermeister entscheidet dann, welche Warnstufe an diesem Tag gilt, ob der Aufstieg bis ganz oben erfolgen kann oder ob sogar niemand hoch darf.

    Es war der Moment gekommen, an dem wir einen kleinen von massiven Felsgesteinen flankierten Weg durchquerten und sich vor uns der riesige Krater auftat. Ich erinnere mich noch genau, wie nicht nur ich, sondern jeder von uns den Mund tatsächlich nicht mehr zu bekam. Ich kann und möchte dazu auch gar nichts schreiben. Es ist so unvorstellbar, man ist gar nicht in der Lage, diese Eindrücke zu verstehen geschweige denn zu verarbeiten.
    Als dann auf einmal ein grollender Knall aus dem inneren des Kraters ertönte, der jeden Donner in Sachen Bass und Lautstärke in den Schatten stellt, haben wir uns alle klein und ohnmächtig gefühlt. Selbst Andrea war kurz erschrocken. Dann erklärte er uns nüchtern, dass es ganz normal sei und es in den Magma-Kammern häufig zu Explosionen kommt, die so einen Knall erzeugen können. Wahnsinn! Wenn es das Feuerwerk nicht mehr gibt, habe ich ein neues Hobby. Schon jetzt war der Tag um so viel besser als wir uns das nur annähernd hätten erträumen können.

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    Was sollte jetzt noch kommen? Abstieg? Mit einer öffentlichen Führung wären wir nicht weit davon entfernt gewesen. Wir hingegen waren noch lange nicht am Ende. Außerdem waren wir noch gar nicht am höchsten Punkt angelangt. Wir umrundeten den Krater, passierten "Dampfbäder", in denen sich viel Wasserdampf befindet bzw. der dort entsteht und der einen kurzzeitig wärmt. Nur darf man die Feuchtigkeit, die sich an einen anheftet, nicht vergessen, sonst wird es unangenehm in der Kälte. Also nur kurz verharren, sich beeindrucken lassen und weiter.

    Ich fand es krass, wie klar die Luft dort oben am Krater war. Andrea hatte scheinbar recht und der meiste Qualm ist einfach nur Wasserdampf, der durch die Hitze entsteht, die der Vulkan permanent ausstrahlt. Doch auf einmal änderte sich die Situation. Andrea wollte, dass wir von nun an möglichst nah beieinander bleiben. Er würde mit uns nun eine Route gehen, die sonst nur noch ein weiterer Kollege betritt. Schon aus der Ferne erkannten wir, dass der Boden deutlich gelblicher wurde und auch die dampfende Aktivität zuzunehmen schien. "Das kann jetzt in den Augen und der Nase brennen, wir versuchen das mal. Haltet Euch an Eurem Vordermann fest und schließt die Augen, wenn es zu schlimm wird". Das Tückische an der ganzen Sache ist: Man kann Wasserdampf und giftige Gase nicht voneinander unterscheiden – zumindest wir Laien nicht.

    ****! Das brennt nicht nur ein bisschen, es ist unmöglich die Augen auf zu lassen und atmen ist fast undenkbar. Ich habe nichts gegen Schwefelgeruch (warum nur? ;) ) und laut Andrea ist er in geringen Mengen sogar gesund, doch das war eine Spur zu krass. "War bisschen heftig, oder?", meinte er locker flockig und fügte hinzu: "Wofür haben wir die Masken denn mitgenommen, wir ziehen sie jetzt an". Nach fünf Minuten hatte jeder von uns eine Gasmaske und Sonnenbrille auf, denn wir hatten einige Meter durch die Schwefel-Felder vor uns.
    Wir besichtigten Nebenkrater, bewunderten Schwefelkristalle und bekamen immer wieder neue Perspektiven auf den Hauptkrater. Als Domi und Dani nacheinander auf einmal circa 30 Zentimeter in ein Loch in einem intensiven Schwefel-Feld traten (die Szene ist im Video sogar zu sehen), spürten sie sofort, WIE heiß der Boden hier ist. Beide bekamen kurzzeitig Panik und versuchten, das heiße Material wieder aus ihren Schuhen zu bekommen.

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    Nachdem wir den höchsten Punkt erreicht hatten und standesgemäß einklatschten, ging es langsam aber sicher Richtung Abstieg. Auf dem Weg dorthin zeigte Andrea uns noch einen weiteren Krater, wollte hier aber nicht länger mit uns verweilen. Wieso eigentlich? Trotz bester Überwachung und vielen Messstationen sei dieser Krater schwer bis kaum berechenbar. Uns sollte es recht sein, aussehen tut er trotzdem schön.

    Andrea: "Wer mag es etwas sportlicher?". Der vor uns liegende Weg nach unten bestand aus losem Geröll; hier konnte man weniger vorsichtig auftreten und eine riese Gaudi erleben. Fängt man erstmal das Joggen an, fällt es aufgrund des weichen Untergrunds und der Steilheit schwer, wieder zum Stehen zu kommen. So lässt man sich treiben, setzt hektisch einen Fuß vor den anderen, sieht auf die Wolken, auf den Vulkan, ist von Wasserdampf umgeben, hört, aber sieht nicht immer seinen Vordermann und freut sich einfach der Freiheit und des Lebens – jedenfalls ging es mir so.

    Auf dem Weg nach unten begegneten uns zwei junge deutsche Männer, die so aussahen, als wären sie auf dem Weg zum Strand: Sneakers, kurze Hosen, weder Handschuhe, Mütze, Helm noch Gasmaske. Andrea machte Sie darauf aufmerksam, dass sie erstens nicht alleine hoch dürfen und sich zweitens in Lebensgefahr bringen. Es gibt Stellen auf dem Ätna, die wie fester Untergrund aussehen, doch durch vorherige Eruptionen, Lavaströme etc. haben sich darunter Hohlräume gebildet, in denen man einige Meter tief abstürzen kann. Daher auch an Euch nochmal die eindringlichen Worte: Macht keinen Alleingang, investiert Geld in einen Vulkanführer, informiert Euch im Vorfeld, benehmt Euch.

    Der weitere Abstieg führt durch weite Schneefelder, weiteres, weitaus schwierigeres Geröll (mehrere kleine Stürze gab es bei uns) und der typischen Mondlandschaft. Da wir nur in eine Richtung liefen, spürte ich die Sonne extrem, die seit Stunden auf mein Gesicht brannte. Aber was tut man nicht alles für solch ein Erlebnis.
    Schließlich erreichten wir wieder die Seilbahn und fuhren bergab. Gemeinsam mit Andrea aßen und tranken wir noch eine Kleinigkeit und bedankten uns bei ihm für diese fantastische Leistung und Leitung. Er war nicht nur fachlich total auf der Höhe, sondern auch mental so stark, dass er Micha ermutigen konnte, trotz seines Sturzes weiter zu gehen. Vielen Dank nochmals dafür, falls du das liest, Andrea. ;)

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    Abschließend kann ich mich nur nochmal wiederholen: Wenn Ihr die Möglichkeit habt, Euch nur annähernd für Natur oder sogar Vulkane interessiert, dann zögert keine Sekunde. Lasst Euch nicht von Bildern oder Videos beeinflussen und macht Euch Euer eigenes Bild und zwar live. Im April ist eine gute Zeit, da die Hauptsaison noch nicht begonnen hat, es verhältnismäßig leer ist und das Wetter passen könnte. Wer weitere Fragen hat, wendet sich gerne direkt an mich oder fragt bei Dani (@RREEYY) nach, der bis dato noch mehr Vulkan-Erfahrung gesammelt hat.

    Ich wollte mich kurz fassen und bin bei Tag 3, klasse Timo...

    Naja, der folgende Samstag lässt sich kurz zusammenfassen. Noch immer hatten wir kein Feuerwerk gesehen und das sollte auch an diesem Tag so bleiben. Stattdessen wollten wir noch mehr von der Insel sehen, planten eine Wanderung im Naturreservat Zingaro ("Riserva naturale orientata dello Zingaro"). Man ist sich zwischenzeitlich nicht sicher, ob man nicht doch in Kalifornien oder irgendwo in Südamerika ist. Abermals eine Landschaft und Idylle, die ich noch nicht von Sizilien kannte. Und dass, obwohl ich ohnehin schon so begeistert war. Ich lasse einfach mal die Bilder sprechen.

    Der Eintritt in das Gebiet ist günstig. Auf dem Wanderweg befinden sich kleine Museen bzw. eine Art historische Ausstellungen, die man kostenlos besichtigen kann. Außerdem hat man die Möglichkeit, in kleinen Buchten zu baden. Mir war es etwas zu kalt, deswegen passte ich, genoss aber die Aussicht aufs Meer und das Frieren der anderen.

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    Am Sonntag sollte es dann endlich soweit sein. Dramaturgisch waren wir fast etwas ernüchtert, sollte es mit Burgio eigentlich DAS Feuerwerk-Highlight der Tour geben und jedes folgende würde im weiteren Verlauf dagegen abstinken. Schon bei der kurzen Fahrt nach Burgio – einem Dorf mit ~ 2.500 Einwohnern – merkten wir, dass die Sturmwarnung keine Panikmache war.
    Das Dorf war wie ausgestorben, denn zur Mittagszeit befanden sich alle Bürger in der Kirche und feierten ihren Schutzheiligen beim Osterfest. Es gibt im Dorf zwei Kirchen, beide haben einen Schutzheiligen: San Vito und San Luca. Wir nutzten die ruhige Zeit und hielten nach den Abbrennplätzen Ausschau. Doch dann der SCHOCK.

    Dort, wo das Feuerwerk in den vergangenen Jahren gezündet wurde, war gähnende Leere. Kein Mörser, kein Sprinter, kein LKW, kein Absperrband, nichts! Das konnte nicht sein. Glücklicherweise sahen wir, wie direkt am Rande des Dorfs, wirklich keine 20 Meter von Häusern und Gärten entfernt, ein Großfeuerwerk aufgebaut wurde. Sie hatten mit dem starken Sturm zu kämpfen, ließen sich aber nicht entmutigen und schlossen die letzten Single Shots und Bomben an.
    Vorsichtig fragten wir nach, wo denn das große Abschlussfeuerwerk aufgebaut wird. Denn wir wussten aus der Vergangenheit, dass es nicht nur eine Show zu dem Fest gab. "Auf dem Sportplatz", bekamen wir als Antwort.

    Zurück ins Auto, auf Google Maps gesucht und mitten im Dorfkern einen Sportplatz ausgemacht. Der Platz war ummauert und nur ein schweres Tor ließ einen Blick von außen zu. Da stand Feuerwerk und da stand viel Feuerwerk und da stand viel zu großes Feuerwerk für einen Dorfkern. Aber gut, wir kennen die Italiener ja. Passt für uns.
    Doch wir merkten leider sofort, dass dieses Feuerwerk auch um einiges kleiner war als das bekannte Burgio-Feuerwerk der letzten Jahre. Den genauen Grund weiß keiner.

    Wir gingen ins Stadtinnere und landeten mitten in der Zeremonie außerhalb der Kirchen. Beide Schutzheilige wurden als Statue verewigt und auf einer sehr langen Sänfte befestigt und geschmückt. Fast 20 Mann tragen die Sänfte auf ihren Schultern, treiben sie durch die Menge, lassen sie auf- und abwippen. Und das alles unter lauter Musik und Gejubel. Wir fühlten uns fehl am Platz. Jeder erkannte uns und merkte, dass wir (die einzigen) Touristen hier sind.

    Beide Kirchen sind unweit voneinander entfernt. Zum "Aufwärmen" gibt es von der einen Kirche ein Tages-, von der anderen Kirche ein Nachtfeuerwerk. Verantwortlich dafür sind die Firmen Firemotion und Zio Piro. Schon beim Aufbau ahnten wir den Wahnsinn. Kat. IV 30 mm Salut-Cakes mit 2 kg NEM und einem Sicherheitsabstand von < 5 m, wenn man den Balkon betrachtet, sind es eher 2-3 m. Kugelbomben bis Kaliber 75 oder 100 mm bei einem Abstand von 5-10 m. Absolut geisteskrank. Der Sturm? Kein Problem. Egal.

    Wir wählten den größtmöglichen Sicherheitsabstand und das waren press an einer Mauer auch nur um die 10-15 m. Unter tosendem Jubel und Geschrei geht der Wahnsinn los. Kurze, sehr heftige Shows mit viel Blitzknall, Rauch, Pfeifern, Crackling und schönen Stepping-Sequenzen. Mittendrin: San Vito und San Luca. Dass keine Panik ausbricht, ist unbegreiflich. Uns war die Angst phasenweise ins Gesicht geschrieben, aber irgendwie passiert nichts. Kein Rohrkrepierer, gar nichts. Ich will auch einfach nicht wissen, was dann los ist...

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    Wir stärkten uns mit Pizza und ein paar Snacks auf die Hand. Man merkt einfach, dass das Fest nicht für Touristen gemacht ist, wenn nur ein einziger Kiosk offen bzw. existent und völlig überlaufen sowie fast ausverkauft ist. Der Sturm wollte und wollte nicht aufhören. Doch wir machten uns keine Gedanken, denn die Italiener sind schmerzfrei und würden sich niemals das Feuerwerk zu ihrem heiligen Fest nehmen lassen.
    Um zu verstehen, was ich mit Sturm meine, kann man sich entweder die Feuerwerke in der Stadt auf meinem Video ansehen oder man stellt sich vor, dass man nicht in der Lage ist, stehen zu bleiben, weil der Wind zu kräftig bläst. Verrückt, dass ausgerechnet heute in ganz Deutschland schwerer Sturm ist oder noch erwartet wird. *Nachtrag, hier ist der Sturm jetzt da (Stand 09.02.2020).

    Wir gingen auf den Sportplatz (durchführende Firma: La Rosa) und wussten nicht so recht, ob wir hier sein dürfen. Denn außer uns war niemand hier. Aus dem Dorfzentrum hörten wir, dass noch ein Umzug zugange war. Ok, das ergibt Sinn.
    Die Zeit lief und lief und es war bereits sehr spät. Der Wind wurde immer stärker und mittlerweile zweifelten wir, ob die Italiener wirklich keine Grenze kennen. Ich will es kurz machen: sowohl das Feuerwerk auf dem Sportplatz als auch das Pyromusical (Zio Piro) am Dorfrand fanden NICHT statt. In Deutschland hätten wir uns bei der Vorhersage nicht einmal auf den Weg gemacht, aber hier hatten wir stundenlang Hoffnung. Es war vernünftig, aber wir waren schwer enttäuscht. Erst wird das große Feuerwerk gar nicht aufgebaut und dann werden auch noch zwei abgesagt. Und dabei war Burgio mit einer der Hauptgründe unserer Tour. Bitter.

    Viele wissen, dass meine zweite große Leidenschaft Achterbahnen und Freizeitparks gehört. So war es für mich klar, dass ich das "Etnaland" unbedingt besuchen wollte. Dani war zu früheren Zeiten ebenfalls sehr interessiert an Parks und hat sich durch mich und einen gemeinsamen Freund von uns (Simon) wieder mehr infizieren lassen. Zum Glück!
    An diesem Montag hatten die anderen keine Lust, standen für Süditalien ja noch weitere Parks auf der Agenda. Der Sturm war allgegenwärtig und so kam es wie es kommen musste: Zwar war wenig los im Park, aber die Hauptattraktionen blieben geschlossen. Wir fuhren was ging und machten das Beste draus. Fun fact: die größte Achterbahn dort heißt ausgerechnet "The Storm". Witzig.

    Am Abend sollte es ein Tagesfeuerwerk und eine Batteria in San Gregori Di Catania geben. Wir trafen uns alle dort. Es verging eine ganze Weile, bis wir endlich den "Abbrennplatz" gefunden hatten. Die Stimmung war mies, denn es regnete, windete noch immer und neben ein paar Batterien war leider nichts aufgebaut. Wir hofften, dass hinter der Mauer und dem Feld dahinter noch eine Überraschung wartete, aber es kam noch schlimmer: Der Aufbau stagnierte und nach 1-2 Stunden Wartezeit erfuhren wir auf Nachfrage, dass das Feuerwerk abgesagt wurde. Eine politische Entscheidung, wie wir raushörten, den genauen Grund wissen wir bis heute nicht. So fuhren wir unverrichteter Dinge wieder heim.

    Übrigens, unsere Hoffnung, dass Burgio die Feuerwerke nachholte, wurde am Abend via facebook auch zerstört.

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    Der letzte Tag auf Sizilien war der Dienstag. Abends ging unsere Fähre von Palermo nach Neapel, wir mussten noch unsere Mietwagen abgeben und hatten somit noch einen halben Tag Zeit. Dani hatte mal wieder einen Plan und schlug uns vor, die Geisterstadt Poggioreale zu besichtigen. Bei einem Erdbeben wurde das Dorf 1968 zerstört und alle Einwohner verließen ihre Häuser. Während der Anfahrt thront die Stadt auf einem Hügel und sieht fast intakt aus. Erst aus der näheren Betrachtung fällt einem das Ausmaß der Zerstörung auf.

    Vor den Toren lungern viele Hunde, die teils abgemagert sind und sich über unseren Besuch sehr gefreut haben. Wirklich helfen konnten wir ihnen jedoch nicht. Die Stimmung in diesem Dorf ist echt geisterhaft. Den Bürgern muss es aber gut gegangen sein, das lässt sich eindeutig an den Gebäuden, den Gemälden und der Inneneinrichtung erkennen. Manche Gebäude sind mit Gerüsten gestützt, andere sind gar nicht begehbar. Besonders das Krankenhaus oder die Schule waren mehr als interessant. Hier ist die Zeit seit 1968 stehengeblieben. Ein denkwürdiges Erlebnis.
    Auf der Rückfahrt erlebten wir schlimmste Straßenverhältnisse und Feldwege, die unsere Autos wirklich ans Äußerste brachten. Heiliger Strohsack! Da fällt mir ein, ich habe noch gar nichts über die Fahrweise in Sizilien erzählt. Das geht schnell: geistesgestört! Wo 50 ist wird 130 km/h gefahren und überholen sowie hupen ist italienischer Standard – in jeder (Gefahren-)Lage und Situation. Lebensmüde sind die doch.

    Nach der Geisterstadt und abenteuerlichen Autofahrt hatten wir noch etwas Zeit für den Strand und mussten uns dann zur Mietwagen-Station und via Taxi zum Hafen machen, um die nächtliche Überfahrt nach Neapel anzutreten.

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    Die Fährfahrt habe ich total genossen. Wir waren etwas feiner essen, haben uns ein paar alkoholische Getränke gegönnt und die Schifffahrt auf dem freien Meer im gefühlten dunklen Nichts auf uns wirken lassen. Das war eine geniale Stimmung, die ich bei Zeiten vermisse. Alle Probleme wirken klein, man fühlt sich geborgen und sicher, auf einer großen Reise ins Nirgendwo. Irgendwann mussten wir dann nach philosophischen Gesprächen ins Bett, denn am nächsten Morgen ging es früh von Bord und mit straffem Programm weiter.

    Wir holten am Mittwoch unsere Mietwagen am Flughafen ab und teilten uns erneut auf. Dani und ich hatten zwei Freizeitparks – "Miragica" und "Fasanolandia" – auf dem Plan. Lena, Michi, Domi und Micha fuhren an den Strand und stießen im Fasanolandia zu uns. Auch die Landschaft Süditaliens braucht sich nicht verstecken – die Autofahrer hingegen schon. So vergehen längere Autofahrten gleich viel schneller.
    Noch immer hatten wir die Dämpfer und unser Pech in Sizilien nicht ganz verkraftet. Ab jetzt sollte alles besser werden und laufen. Wir kamen bei Miragica an und sahen nahezu kein Auto auf dem Parkplatz. Das Wetter war top, zwar war es ein Wochentag, aber das konnten wir uns schwer vorstellen. Die verschlossenen Tore verhießen nichts Gutes... Zu. Geschlossen. Wir konnten es einfach nicht fassen. Ich recherchierte im Auto und fand heraus, dass der Park zum Verkauf steht. Es war einfach verflixt, was sollte noch alles passieren?

    Weiter ging es zum Fasanolandia. Ein Park mit einer super schönen Lage auf einem Berg gelegen. Die Aussicht von oben ist toll und so macht es Angst und Sinn zugleich, dass der Free Fall Tower 40 Sekunden oben anhält, bevor er ausklingt. Kurze Zeit später kamen die vier anderen der Truppe auch dazu und wir hatten ein paar schöne Stunden im Fasanolandia.

    Am Abend warteten in Castro / Lecce beim "Festa Maria SS. Annunziata" vier Nachtfeuerwerke auf uns. Wir checkten in unserer Unterkunft ein und waren rechtzeitig in Castro. Wir parkten etwas abseits, machten den großen Abbrennplatz aber schnell ausfindig. Mit Locorotondo und Siano hatte ich bereits ein paar sehr "nette" italienische Feuerwerke gesehen und war daher gespannt auf die vier Shows. Große Kaliber waren nicht viele aufgebaut, aber das will ja nichts heißen. Der abgesperrte Bereich war allerdings total Banane. Wir durften ihn zwar an der Polizei vorbei passieren, waren dennoch viel zu weit weg. Das war viel mehr Sicherheitsabstand als in Deutschland. Nach jedem Feuerwerk gingen wir etwas näher ran, aber viel besser wurde es nicht mehr. Geschossen haben folgende Firmen: Ugo Lieto, Di Candia, Pannella, Romano.

    Die Feuerwerke waren okay bis gut. Nicht mehr und nicht weniger. Der Abstand hat uns sicherlich die Wirkung etwas versaut, aber auch sonst war die Ware mitunter richtig mau und definitiv nicht typisch italienisch. Zwei Shows stachen etwas heraus und konnten mit einer tollen Choreographie überzeugen. Im Anschluss gingen wir noch in die ganz besonders schön geschmückte und beleuchtete Stadt. Zudem spielte dort eine Band, die wirklich Laune und Stimmung gemacht hat und erfrischend anders klang. Danach hieß es Rückfahrt zur Unterkunft und vorbereiten auf morgen.

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    Am Donnerstag stand uns einiges bevor. Dreh- und Angelpunkt war die Stadt Bellona mit dem "Festa Maria SS. di Gerusalemme". Wer bis heute noch nichts davon gehört hat: Augen auf und Ohren gespitzt. Ich denke, dass das Video die Eindrucke gut vermittelt. Die meisten meiner Freunde, Kollegen oder Familienmitglieder sagen dazu: "Das ist doch Krieg!", wenn ich ihnen Videoausschnitte zeige. Verstehen kann ich sie. Und sie waren nicht mal live dabei...

    Würde man einem Ordnungsamt in Deutschland das Konzept dieses Tages vorlegen, würde man sicherlich sofort verhaftet oder eingewiesen werden. Dass sowas wirklich stattfindet, ist eigentlich gar nicht wirklich verständlich. Und dennoch machen die Italiener es mit einer Selbstverständlichkeit als wäre es das Natürlichste auf der Welt.
    Ganz konkret gibt es bei diesem Fest ein vergleichsweise kleines Tagesfeuerwerk, 9 Batterias zum Mitlaufen, eine Batteria auf dem Feld tagsüber und eine nachts sowie eine Mascolata Napoletana. Dafür verantwortlich sind die Firmen Chiarappa und Sogno Pirotecnico. Die Firmen sind aber nicht fest und können von Jahr zu Jahr wechseln.

    Fährt man in die Stadt, fällt einem sofort auf, dass überall, wirklich überall Stoppinen gespannt sind. Daran befinden sich unzählige Blitze in klein und groß. Zwischendrin stehen Cakes oder einzelne Mörser Raks mit Feuertöpfen gefüllt. Die Einheimischen sitzen unter den Stoppinen an einem Café oder Restaurant, da sind manchmal nur Zentimeter dazwischen. Sowas Verrücktes habe ich noch nicht gesehen. Kommt man zum Feld traut man seinen Augen nicht mehr. Es steht alles voll. Bomben, Single Shots, steigende Kronen, Batterien und unendlich viele Saluts, die in Reih und Glied aufgehängt sind. Alleine der Anblick lässt einem die Knie beben.

    Es war wirklich perfektes Wetter, fast etwas zu heiß, aber wir wollen auf keinen Fall meckern. Gerade abends war es dadurch total angenehm. Das Tagesfeuerwerk machte den Anfang. Aufgebaut an einer Felswand ohne Sicherheitsabstand. Doch dann kam die Polizei und hat die Leute energisch einige Meter zurückgedrängt. Das war noch immer viel zu nah dran. Wir hatten Glück, als links von uns kleine Saluts der Stutatas kurz über dem Boden kamen. Durch das Terrain war die Geräuschkulisse beeindruckend und hat das Adrenalin nochmal nach oben gepusht. Aber wie bereits erwähnt: das war nur eine kleine Show zum Aufwärmen. Danach rieselte es Pappfetzen noch und nöcher.

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    Danach starten die Batterias und ich will gar nicht zu viel darüber erzählen. Ein horizontales Rad dreht sich mit Heul- und Knallsätzen und läutet damit den Start ein. Davor ertönt eine Trillerpfeife, die mit großem Jubel gekontert wird. Dann geht es los. Sofort sprintet die Stoppine auf und davon und die Meute setzt sich in Bewegung. Man erkennt die „Ultras“ (Fujentis) an ihren teils kaputten und verbrannten Hoodies, wie sie so nah wie nur irgendwie noch vertretbar an die Effekte gehen. Manchmal ist es auch nicht mehr vertretbar. Eigentlich ist es gar nicht vertretbar. Aber was solls. Vorne stehen Mitarbeiter der Firma Chiarappa, die die Leute in die richtige Richtung lenken und gegebenenfalls wegschubsen.

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    Ich musste nur noch lachen und habe irgendwie versucht, all das mit meinem Camcorder einzufangen. Man verliert sich in der Menge und stößt meist nach Ende, das mit sehr lauten Salutschlägen gekennzeichnet ist, mit einem Grinsen im Gesicht wieder aufeinander. Nachts hat man das Gefühl, dass es noch heftiger ist, wahrscheinlich durch die hellen Flashs und die schlechtere Orientierung.
    Zwischendurch gab es eine Mascolata in der Stadtmitte, die Dani und ich so ähnlich schon aus Siano kannten. Umso mehr freute ich mich hierauf. Und wir wurden nicht enttäuscht. Diese Schwarzpulver-Mörser prügeln dir einfach die Falten aus dem Gesicht, das ist sowas von krass. Am Ende sieht man vor lauter Rauch fast nichts mehr, es knallt nur noch in unterschiedlichen Höhen und Tiefen. Anders als in Siano kamen diesmal auch elektrische Sequenzen zum Einsatz. Es ist schon geil, wenn so druckvolle Klänge im Takt kommen. Da kann man ja nur ausrasten.

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    Den Vogel schießen die Tages- und Nachtbatterias auf dem Feld ab. Eine Choreographie aus Batterias am Boden, Stepping, Bomben am Himmel und allerlei Spielereien wie Rauch, steigende Kronen und und und. Unfassbar war, wie schnell die Nachtbatteria nach der am Tage wieder aufgebaut bzw. aufgehängt war. Mittendrin laufen einige die Batterias mit und auch im Finale, das gefühlt wirklich nur noch mit Krieg vergleichbar ist, flitzen sie zwischen den Blitzen umher – teilweise out-of-control und in Panik. Wir standen direkt an der Absperrung und waren wie paralysiert.

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    Ihr merkt, ich halte mich hier wirklich relativ kurz. Es ist schwer in Worte zu fassen. Schaut euch das Video an und fahrt hin, das muss man erleben oder erlebt haben. Ich freue mich jetzt schon auf dieses Jahr. :)

    Wir mussten viel verdauen in diesem Urlaub. Der Ätna hat uns völlig fertig gemacht, dann hat uns das Schicksal getroffen bzw. hatten wir einfach nur Pech mit dem Wetter, abgesagten Feuerwerken und komischen Freizeitparks. Aber Bellona hat uns noch bis spät in die Nacht mehr als beflügelt. Jeder hatte ein "WTF-Gesicht" noch lange danach.

    Den Freitag und Samstag fasse ich einfachheitshalber zusammen. Zuerst besuchten Dani, Domi und ich Pompei, die verschüttete Stadt durch den nahe gelegenen Vesuv; während die anderen zum Strand fuhren oder woanders waren, ich weiß es gar nicht mehr genau. Jedenfalls war ich enttäuscht von Pompei. Es war sehr viel los, die Wegführung und den Informationsfluss fand ich schlecht und bei so einer überlaufenen und kostspieligen Stätte erwarte ich einfach englische Info-Tafeln. Leider waren diese rar gesät und so verlor ich auch die Lust, mich irgendwie zu informieren.

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    Am Abend fuhren wir auf den Vesuv (Somma Vesuviana) und genossen einige große Zylinder und kleine Choreos von Vesuvio, Romano, Di Matteo und Ugo Lieto, die von unterschiedlichen Standpunkten aus abgeschossen wurden. Es war nicht leicht, eine gute Position zu finden, denn einen Überblick hat man trotz der Höhe nicht wirklich. Wir hatten Glück und konnten fast alle Bomben gut sehen, hören und spüren.

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    Der für mich letzte Tag hatte wieder bestes, sonniges Wetter parat. A propos Parat, naja so ähnlich (schlechteste Überleitung ever): Parete und nochmals Somma Vesuviana standen auf dem Programm. Parete feierte das "Festa Maria SS. Della Rotonda" und bot mit einzelnen großen Zylindern, einer Mascolata (Sogno Pirotecnico again) und einem Tagesfeuerwerk von Carmine Lieto ein nettes Line-Up für den Abschluss. Am Ende gab es auf dem Vesuv noch ein Tagesfeuerwerk-Intermezzo von Vesuvio. A propos Vesuvio, ich habe @Vesuvio schon lange nicht mehr hier gesehen?

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    Besonders hervorzuheben ist wieder einmal die Mascolata. Es könnte kaum einen besseren Platz dafür geben. In einem sehr engen Hof, der ummauert ist und alleine optisch klar macht: es wird laut, es wird drücken, es wird pervers. So war es dann auch. Eine ähnliche Show wie in Bellona mit elektrischer Sequenz und der typischen Sogno Craziness, die mich wieder zum Ausrasten brachte. Das Tagesfeuerwerk hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Carmine Lieto hat eine tolle Struktur in der Show, schöne Effekte, viel Rauch, unterschiedlichste Knall-Facetten und ein ordentliches Finale.

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    Die letzte Station war erneut auf dem Vesuv. Die Kulisse und Perspektive ist einmalig. Man sieht vom Berg weit in die Ferne und auf Augenhöhe entfaltet sich das Tagesfeuerwerk mit viel Rauch und Blitzknall – ein würdiger Abschluss. Vor Ort trafen wir noch auf einen sehr süßen Straßen- bzw. Vulkanhund. Wir wollten ihm irgendwie helfen, hatten schon darüber nachgedacht, ihn mit nach Deutschland zu nehmen. Aber alle Euphorie endete in Ernüchterung. Es ist dort einfach schlimm mit den Straßenhunden und außer viel Wasser konnten wir ihm wenig bieten. Leb wohl, Kleiner!

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    Da ich nach Hause musste, weil meine Nichte und gleichzeitig mein Patenkind am Sonntag zur Kommunion kam, brachte Dani mich zum Flughafen. Die restliche Truppe hatte noch ein Programm bis Montag vor sich (siehe Abblauf), worüber ich hier aber nicht berichten kann und mag.
    Alles in allem war es ein sehr schöner Urlaub, der viele Höhepunkt, aber auch einige Tiefschläge bereithielt. Ich weiß nur eines: ich komme wieder und zwar sehr bald. A Presto, Italia!

    Zum Video:

    Der Bericht liest sich vielleicht so, als wäre er die Hauptattraktion. Aber noch viel länger saß ich an dem Video. Um die 1000 Szenen mussten geschaut, bewertet und kategorisiert werden. Einen so langen Urlaub in ein musiksynchrones Video zu verwandeln, das ausreichend erzählt, nicht langweilt und einen roten Faden hat, ist immer eine riesige Herausforderung.
    Nach den letzten beiden vorrangig epischen Versionen, wollte ich es dieses Mal anders machen. Musik ist sicherlich Geschmackssache, aber mir war wichtig, die Stimmung so nah wie möglich zu transportieren. Macht Euch am besten selbst ein Bild. Wer nicht alles schauen will – was ich gut nachvollziehen kann – in der Infobox auf YouTube habe ich Zeitstempel hinzugefügt, mit denen Ihr zielgenau ins interessante Kapitel springen könnt.

    Wichtig: Bitte schaut das Video nicht mal nebenbei auf dem Handy. Guter und lauter Sound machen es erst lebendig.



    Wer wirklich bis hierhin durchgehalten hat: DANKE!
    Danke auch an Dani für die Fotos und Informationen.

    Ich freue mich über jedes Feedback, ob Lob oder Kritik. So wird der Aufwand wenigstens emotional entlohnt. :)

    Euer
    Timo
     
  2. Da hätten wir uns also fast gesehen - wir sind fast jedes Jahr in Parete zum gucken und Kollegen unterstützen :)
     
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  3. Schöner & umfangreicher Bericht, bei den "Ultras" handelt es sich übrigens um “Fujenti”.....
     
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  4. Kann mich meinem Vorredner nur anschließen. Wieder ein Top Bericht und auf dem selben genialen Nevau vom Vorjahr. Freu mich schon das Video zu sehen.
     
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  5. #5 pxt, 10. Feb. 2020
    Zuletzt bearbeitet: 10. Feb. 2020
    Echt ein spitzen Video. Macht richtig Spaß anzusehen! Jetzt versteh ich wo du deine Zeit gelassen hast - super Schnitt. :)

    Das Intro kommt schonmal richtig stark daher. Als du dann die Stepper zu den 1/16 vom Song gebracht hast, musst ich schon dick grinsen. Hat super gepasst!

    Weiter gehts sehr stimmungsvoll, schöne Feel Good Musik zum Auftakt, zweimal Hans Zimmer mit Inception und Interstellar - zählen zu meinen Lieblingen der Filmmusik, und dann wieder richtig toll auf den Takt von System of a Down geschnitten. Zum Abschluss dann nochmal die Stimmung richtig gut mitgenommen.

    Danke fürs Teilen!
     
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  7. Was ein toller Bericht:) Der ist wirklich sehr schön geworden. Hut Ab!
    Auch sind hier einige Argumente/Tipps für eine Reise nach Sizilien gefallen, welche ich dieses Jahr ganz bestimmt auch antreten werde:good: Vielen Dank für die große Mühe mit Bericht+Video!

    PS: Jetzt schau ich mir mal das Video an :)
     
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  8. Von mir ein großes Kompliment und DANKE für deine Mühe für diesen tollen Reisebericht. Die Fotos und das Video geben einen beeindruckenden Einblick über das wieder, was ich auch gern gesehen hätte.
     
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  9. So, hab mir das Filmchen gerade ganz gemütlich angeschaut und kann nur sagen:sehr sehr schön:) Saustark geschnitten! Hatte 2017 ebenfalls nen Pyrotrip nach Sizilien unternommen und bin riesen Fan dieser Insel geworden. Schade das bei euch nicht alles so mit den Feuerwerken geklappt hat...aber es hat sich doch dennoch gelohnt.Allein schon wegen Bellona. Top Filmchen...ein kleiner Kritikpunkt...ab und zu könnte man die Musik( die sehr gut ausgewählt war) auch mal komplett weglassen um mehr vom Feuerwerkssound zu hören. Aber glaub das wurde schon mal beim Maltabericht angesprochen:) Besten Gruß
     
  10. Vielen Dank an Euch!
    Da es einfach "meine Welt" ist, solche Musikvideos als Erinnerungsstücke zu schneiden, wird es das eher nicht geben. Aber in manchen Szenen ist der O-Ton immerhin nicht stumm. Im letzten Video wurde bemängelt, dass die Musik zu eintönig (episch) war.
     
  11. Danke für deinen tollen Bericht! Sehr ambivalente Verhältnisse haben die dort. Irgendwann muss ich auch dort hin!
     
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  12. Interessant finde ich mal wieder den Aspekt Sicherheitsabstand....
    Einem bestimmten User aus dem Forum sind die 8m in F2 für die größeren Batterien (25-30mm /500g ) bzw. entsprechender Verbünde nicht genug (eigentlich nachvollziehbarerweise) - und hier wird einfach alles von den Profis vor die Kirche gepackt - wird schon schiefgehen :)
     
  13. Wie beim letzten Mal hat mich der Bericht wieder völligst gefesselt.
    Sehr schöne eindrücke von Eurem Urlaub und vor Allem transportiert der Bericht sie leibhaftig ;)

    Schade, dass nicht alles glatt gelaufen ist, da ist man meinst machtlos.

    Das Video ist der Oberhammer, ich würde sogar sagen einen ticken besser als das Letzte.
    Die Musikauswahl war perfekt. Synchronität wie man es auch von den Feuerwerken gewohnt ist ;)
    Ich kann jedem empfehlen dieses tolle Werk auf einen großen TV mit Soundanlage zu genießen....

    Tolle Arbeit Timo!

    Vielleicht komme ich ja auch mal wieder in den Genuss der tollen Reisegruppe " @RREEYY " beizuwohnen...
     
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  14. Ein wahrlich atemberaubender Bericht, welcher das Forum stark bereichert. Ich selbst durfte es einmal erleben und komme nicht davon los, insbesondere durch Deine ausführlichen Berichte, schwelge ich in Erinnerung , als sei es gestern gewesen.

    Hier ist das beste Beispiel für jemanden, der seine Träume lebt und es in vollen Zügen genießt, denn worauf warten und einen Urlaub an immer wiederkehrenden Orten verbringen, wenn es auch mal etwas Besonderes sein darf. Dafür würde ich auch auf Silvester verzichten, denn diese Atmosphäre und Gastfreundschaft ist in dieser Form unbeschreiblich...

    Feurige Grüße
     
    HoPa und PyroWolle gefällt das.
  15. So, hab mir das Video jetzt auch mal angesehen...

    Was soll ich sagen? Wie erwartet, wieder herausragend gut gelungen! Werd mir den massiven Bericht bei vorhandener Zeit und Lust auch noch geben, auch der ist sicher mehr als Lesenswert, wenn man auch nur ein wenig Interesse an der Sache hat...

    Danke dir fürs Erstellen und Teilen. Eine Bereicherung fürs Forum, sowas! :)

    Gruß
    Martin
     
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