Historie Vor 100 Jahren

Dieses Thema im Forum "Museum, Firmen, Historie" wurde erstellt von Pyromartin, 21. Feb. 2020.

  1. #1 Pyromartin, 21. Feb. 2020
    Zuletzt bearbeitet: 21. Feb. 2020
    Auch vor 100 Jahren wurde schon über die Gefährlichkeit und den damit betriebenen Unsinn, gewettert. Aber, ein technisch sehr interessanter Artikel. Diese Feuerwerksspielwaren wurden vor 100 Jahren in der ganzen westlichen Welt, unter verschiedensten Namen, verkauft. Radauplätzchen, Knallplatten, Jack on the Walk, u.s.w.
     

    Anhänge:

  2. Kclo3 und roter Phosphor... Ganz schlechte Mischung und mit Grund nicht mehr in Feuerwerk zu finden . Das Zeug ist empfindlich sowohl gegen Stoß als auch Reibung und hat eine Destinationsgeschwindigkeit die schon sehr nah an initialsprengstoffe reicht ... Ich wusste nicht das sowas jemals als feuerwerk genutzt wurde
    #armstrongs mixture
     
  3. Alle Knallplättchen , Amorces und Knallkorken werden heute immer noch, genau wie vor 100 Jahren so gemacht. Außerdem findet man diese Mischung in z.B. französischen Reißzündern in Seenotsignalen (Coston Light).
     
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  4. Jo, kann ich bestätigen, die Mischung ist heute noch ziemlich gebräuchlich, teils auch nicht wirklich ersetzbar, besonders in den schon angesprochenen Reibanzündhütchen und Amorces.

    Zu dem alten Bericht - "KnallPlätzchen" hielt ich als erstes für einen Schreibfehler von "KnallPlättchen", auch Radauplättchen genannt. Es scheint aber ja tatsächlich ein eigener Artikel zu sein, praktisch ein einzelnes, großes Amorceplättchen - ist das so richtig?
     
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  5. #5 Pyromartin, 21. Feb. 2020
    Zuletzt bearbeitet: 21. Feb. 2020
    Richtig. Knallplätzchen sind etwas anderes als Knallblättchen. Aber, es gibt noch viele weitere Benennungen, die zu verschiedenen Zeiten von verschiedenen Herstellern benutzt wurden. Aber, ich glaube nicht, das hier im Westen hergestellte Reißzündhütchen diesen Satz beinhalten. Ruggieri's eigene, alte Reißzündung funktionierte aber genau so gut.
     
  6. Also die, die wir von der Ruag beziehen, sind genau das :) ich bring dir mal welche mit, wenn wir uns wieder sehen
     
  7. Was mich ernsthaft überrascht ist, dass früher weißer (!) Phosphor in Feuerwerk verwendet wurde.
    Roter Phosphor ist ja an sich ziemlich harmlos, aber weißer :eek:
     
  8. Vor allem wie ? Weisser Phosphor entzündet sich ja bei Kontakt mit der Luft der muss also irgendwie in einer chemischen Verbindungen sein die das verhindert
     
  9. Bei den "Radauplätzchen" wird es sich vermutlich um Knallkapseln zur Eisenbahnstreckensicherung handeln. Dürften zu der Zeit in Deutschland aber auch schon in Verwendung gewesen sein.

    Hier zu sehen:

    https://youtu.be/a0nh86B4Avc?t=63



    https://www.youtube.com/watch?v=ToayYFfPDHw
     
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  10. Die Rinder auf der anderen Straßenseite läßt das unbeeindruckt ;-)
     
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  11. Bist du dir da sicher ? Alle Reib(ß)zündhütchen, die ich gesehen habe, waren mit moderneren Zündsätzen geladen. Den KCLO3+P Satz habe ich, in den letzten Jahren, nur aus China gesehen. dann haben wir ja noch mal was zum fachsimpeln.
     
  12. Nein Nein Nein !
     
  13. #13 Vegas, 21. Feb. 2020
    Zuletzt bearbeitet: 21. Feb. 2020
    Ja, gerade nochmals genauer angeschaut. Bei der geringen Menge in den Radauplätzchen passt das nicht. Zudem waren die Bahnsignale meiner Erinnerung nach auf Chlorat/Schwefel Basis.
     
  14. Die englischen "Fogsignals/Railwaytorpedoes" sind sogar mit Schwarzpulver geladen. Diese Teile habe ich seit 25 jahren studiert.
     
  15. Die ersten Streichhölzer funktionierten nur mit weißem Phosphor. Viele der armen, deutschen Bergbauern, die damals Streichhölzer in Heimarbeit herstellten, erkrankten an Phosphornekrose. Die Unterkiefer rotteten weg. Eine unvorstellbar grausame Krankheit. Nachdem dies, nach Jahrzehnten erkannt wurde, hat man die Herstellung dieser Streichhölzer verboten. Die obigen, 100 Jahre alten Feuerwerkskörper, funktionieren NUR mit weißem Phosphor. Der Satz wurde dazu aber speziell hergerichtet. Es werden noch heute, in China, ähnliche Teile, z.B. "TwigBang"von Red Lantern, mit weit weniger als 1% WP, hergestellt und in andere Länder exportiert. Ohne WP funktioniert der Effekt nicht. Solange man die Teile nicht verschluckt , sind sie absolut sicher. Die armen deutschen Bergbauern damals, haben an den Arbeitstischen, mit Arbeitshänden, gegessen.
     
  16. Hallo Hanabi,
    wegen der Reibzündhütchen muß ich noch folgendes sagen. Unser gemeinsamer Freund Lars besitzt das Notizbuch eines Marinefeuerwerkers um 1900. Ein Eintrag betraf die elektrische Zündung. Als Zündsatz wurde 50/50 KClO3 und Sb2S3 angegeben und als "Ebner's Satz" bezeichnet. Dem WWW ist der Begriff "Ebner's Satz" unbekannt. Ich habe mehr als 10 Jahre gebraucht um die Verbindung zu finden. Ich wußte zwar schon von dem östreichischen Baron von Ebner. Aber, das er diese Mischung als el.Zündsatz eingeführt hat, wußte ich früher nicht. Seit Anfang des 19 Jhdts (in Preußen seit etwa 1835) sind diese beiden Satzbestandteile universeller Standard, überall auf der Welt für Reib-, Schlag- und elektrische Zündung. Das Mischungsverhältnis variiert je nach Einsatzzweck. Als Initialzündsatz für Schwarzpulver muß dieser Satz wohl ideal sein. Heiße Flamme, sehr empfindlich und viele glühende Partikel.
    Gruß,
     
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